Pansophie (griech: All, Weisheit = allumfassende Weisheit)
Die Pansophie ist eine Art religiöse Philosophie, die das Gesamtwissen ergründen will. In ihr werden neuplatonische und alchimistische Gedanken integriert und weiter entwickelt. Wie in der Theosophie gipfeln ihre Bestrebungen in dem Versuch einer Ganzheitsschau. Ihre Ursprünge sind ansatzweise bei Paracelsus (1494 1541), Agrippa von Nettesheim, (1486 - 1536), Valentin Weigel (1533 - 1588) und Jacob Böhme (1575 1624) zu finden und wurden insbesondere bei Comenius (1592 1670) klar ausgesprochen, der in seinen Werken »Pansophia prodomus« und »Schola Pansophiae« alle Wissenschaften in einer Enzyklopädie vereinigen wollte. Verschiedene seiner Ideen kann man in der Freimaurerei wieder finden. Äußerlich decken sich die Ideen des Comenius weitgehend mit Zielen der Rosenkreuzer. 1925 gründete Heinrich Tränker (1880 1956), der damalige Leiter der deutschen Rosenkreuzerbewegung (in der Nachfolge von Franz Hartmann und Max Heindel), die Loge Pansophia in Berlin, mit dem Ziel einen mystischen Heilsweg ohne Verwendung magischer Hilfsmittel ausfindig zu machen. 1926 gaben die Logen-Mitglieder ihre Arbeit auf. Von Tränker stammen die Schriften »Mystischer Glockenschlag« und »Die Pansophie der hermetischen Bruderschaft vom Rosenkreuz«.

Will-Erich Peuckert (1895 1969) machte in seinem Buch »Pansophie Ein Versuch zur Geschichte der weißen und schwarzen Magie« die Pansophie zu einem Haupt- und Titelthema seiner geistesgeschichtlichen Forschungen.




Jan Amos Comenius (1592 1670):
Menschliche Pansophie
An der Bezeichnung Pansophie (Allweisheit) möge niemand Anstoß nehmen. Wir wissen, dass als einziger nur der weise Gott allwissend ist (Röm. 16,27: dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus in Ewigkeit! Amen).

Wir bekennen uns zu einer menschlichen Pansophie, nämlich einem Wissen dessen, was Gott uns wissen lässt, auch mit weisem Nichtwissen dessen, was der größte Lehrmeister uns nicht wissen lassen wollte. Ich füge hinzu, dass die wahre Pansophie der wahre Weg zur heiligen Unwissenheit ist: denn sie allein kann uns lehren, wie sehr unser ganzes Wissen nur ein Schatten ist, wenn man es mit dem Glanz jener ewigen Weisheit vergleicht, die in Gott ist.

Immanuel Kant (1724 1804)

Was Pansophie heißen kann
Das historische Wissen ohne bestimmte Grenzen ist Polyhistorie ; diese blähet auf. Polymathie [vielseitiges Wissen] geht auf die Vernunfterkenntnis. Beides, das ohne bestimmte Grenzen ausgedehnte historische sowohl, als rationales Wissen kann Pansophie heißen.

Zum historischen Wissen gehört die Wissenschaft von den Werkzeugen der Gelehrsamkeit, die Philologie , die eine kritische Kenntnis der Bücher und Sprachen ( Literatur und Linguistik) in sich fasst.

Die bloße Polyhistorie [Bewandertsein auf vielen verschiedenen Wissensgebieten, Vielgelehrsamkeit] ist eine cyklopische Gelehrsamkeit, der ein Auge fehlt, das Auge der Philosophie; und ein Cyklop von Mathematiker, Historiker, Natur­beschreiber, Philolog und Sprachkundiger ist ein Gelehrter, der groß in allen diesen Stücken ist, aber alle Philosophie darüber für entbehrlich hält.

Einen Teil der Philologie machen die Humaniora [die feineren Studien, fein gebildet] aus, worunter man die Kenntnis der Alten versteht, welche die Vereinigung der Wissenschaft mit Geschmack befördert, die Rauhigkeit abschleift und die Kommunikabilität und Urbanität, worin Humanität besteht, befördert . S. 50
Aus: Immanuel Kant, Logik. Ein Handbuch zu Vorlesungen, Dritte Auflage, Verlag von Felix Meiner Leipzig 1920 , PHB Band 43

Jakob Böhme (1575 - 1624)
Mysterium Pansophicum
oder Gründlicher Bericht von dem irdischen und himmlischen Mysterio,

Wie die ineinander stehen und wie in dem Irdischen das Himmlische offenbaret werde

Der erste Text
Der Ungrund [nicht ergründbarer Urgrund der Existenz] ist ein ewig(es) Nichts, und macht aber einen ewigen Anfang als eine Sucht [Suchen, Streben]. Denn das Nichts ist eine Sucht nach Etwas. Und da doch ein Nichts ist, das etwas gebe; sondern die Sucht ist selber das Geben dessen, das doch auch ein Nichts ist, als bloß eine begehrende Sucht. Und das ist der ewige Urstand der Magiae [geheimnisvoller magischer Zustand der Wirklichkeit und Natur], welche in sich [etwas] macht, da nichts ist. Sie macht aus Nichts Etwas, und das nur in sich selber. Und da doch dieselbe Sucht auch ein Nichts ist als nur bloß(er) Wille. Er hat Nichts und (es) ist auch nichts, das ihm etwas gibt, und hat auch keine Stätte, da er sich finde(n) oder hinlege(n) (kann).

Der zweite Text
1.
So denn nun also eine Sucht im Nichts ist, so macht sie (sich) selber den Willen zu Etwas. Und derselbe Wille ist ein Geist als ein Gedanke; der geht aus der Sucht (heraus) und ist der Sucht Sucher, denn er findet seine Mutter, als die Sucht. Jetzt ist derselbe Wille ein Magus (Bewirkender) in seiner Mutter, denn er hat Etwas gefunden in dem Nichts als seine Mutter. Und so er denn seine Mutter (ge)funden hat, so hat er jetzt eine Stätte seiner Wohnung.

2. Und versteht hierinnen, wie der Wille ein Geist ist und ein anderes als die begehrende Sucht. Denn der Wille ist ein unempfindlich [nicht empfindsam] und unerkenntlich (nicht erkennbares) Leben. Aber die Sucht wird vom Willen (ge)funden und ist (wird) im Willen ein Wesen. Jetzt wird erkannt, dass die Sucht eine Magia (magische Wirklichkeit) ist und der Wille ein Magus [magischer Bewirker], und dass der Wille größer ist als seine Mutter, die den (diesen) gibt. Denn er ist Herr in der Mutter, und wird die Mutter für (als) stumm erkannt und der Wille für (als) ein Leben ohne Ursprung. Und da doch die Sucht eine Ursache des Willens ist, aber ohne Erkenntnis und Verstand. Und der Wille ist der Verstand in der Sucht.

3. Also geben wir euch in kurzem zu ersinnen [bedenken, ergründen]: die Natur und den Geist der Natur, was von Ewigkeit ohne Urstand gewesen ist, und befinden also, dass der Wille als der Geist keine Stätte seiner Ruhe habe. Aber die Sucht ist ihre eigene Stätte, und der Wille ist ein Band daran, und wird doch auch nicht ergriffen [greifbar beeinflusst].

Der dritte Text
1. So denn also der Wille frei ist von der Sucht, und aber die Sucht nicht frei von dem Willen, denn der Wille herrscht über die Sucht, so erkennen wir den Willen für (als) die ewige Allmacht. Denn er hat (gibt) nichts seinesgleichen. Und die Sucht ist zwar ein Bewegen vom Ziehen oder Begehren, aber ohne Verstand, und hat ein Leben, aber ohne Witz [Wissen von sich, Bewusstsein].

2. Jetzt regiert der Wille das Leben der Sucht und tut mit dem, was er will. Und ob er etwas tut, so wird's doch nicht erkannt, bis sich dasselbe Wesen mit dem Willen offenbare, dass es ein Wesen werde in des Willens Leben. So wird erkannt, was der Wille hat gemacht.

3. Und (wir) erkennen also den ewigen Willen-Geist für (als) Gott und das regende [pulsierende] Leben der Sucht für (als) die Natur. Denn es ist nichts ehers [früher], und (es) ist beides ohne Anfang, und ist je eines eine Ursache des andern und ein ewig(es) Band.

4. Und also ist der Willen-Geist ein ewig(es) Wissen des Ungrundes und das Leben der Sucht ein ewig(es) Wesen des Willens.

Der vierte Text

1. So denn also die Sucht ein Begehren ist und dasselbe Begehren ein Leben ist, so geht dasselbe begehrende Leben in der Sucht vor sich und ist immer der Sucht schwanger.

2. Und das Begehren ist ein strenges Anziehen, und hat doch nichts als sich selber als die Ewigkeit ohne Grund, jetzt zeuchts (zieht es sich) magisch als sein Begehren selber zu einer Substanz.

3. Denn der Wille nimmt jetzt, da nichts ist; er ist ein Herr und Besitzer, er ist selber kein Wesen, und herrscht doch in dem Wesen. Und das Wesen machet ihn begehrend, als nämlich des Wesens. Und so er dann in sich begehrend wird, so ist er magisch und schwängert sich selber als mit Geist ohne Wesen. Denn er ist im Urstande nur Geist. Also macht er in seiner Imagination (Vorstellung, Einbildung) nur Geist und wird des Geistes schwanger als der ewigen Wissenheit des Ungrundes in Allmacht des Lebens, ohne Wesen.

4. Und so er dann schwanger ist, so geht das Gebären in sich und wohnt in sich selber. Denn des andern Lebens Essenz kann diese Schwängerung nicht fassen und sein Behalter (Gefäß) sein als ein Sohn im ewigen Geiste.

5. Und weil diese Schwängerung kein Wesen hat, so ist's eine Stimme oder Schall als ein Wort des Geistes, und bleibt im Ur(zu)stande des Geistes, denn es hat sonst keinen Sitz als nur im Urstande des Geistes.

6. Und ist doch ein Wille in diesem Wort, der da will ausgehen in ein Wesen. Und derselbe Wille ist des urständlichen Willens Leben. Der geht aus der Schwängerung als aus dem Munde des Willens aus in das Leben der Magiae als in die Natur und eröffnet das unverständige Leben der Magiae, das es ein Mysterium ist, da ein Verstand essentialisch [kreatürlich, wesenhaft] inne(n) liegt, und bekommt also einen essentialischen Geist, da jede Essenz [Wesen, Wesenheit] ein Arcanum [geheimnisvolle, verborgene Naturkräfte] oder ein Mysterium ist eines ganzen Wesens. Und ist also im Begriff als ein ungründlich(es) Wunder der Ewigkeit, da viele Leben ohne Zahl erboren [erzeugt] werden, und ist doch zusammen alles nur ein Wesen.

7. Und der dreifache Geist ohne Wesen ist sein Meister und Besitzer und da er doch das Natur-Wesen nicht besitzt, denn er wohnt in sich selber.

8. Das Wort ist sein Zentrum oder Sitz und stehet in Mitten als ein Herz; und der Geist des Worts, welcher im ersten ewigen Willen urständet, eröffnet die Wunder des essentialischen Lebens, dass also zwei Mysteria (Mysterien) sind: eines im Geist-Leben und eines im essentialischen (natürlichen) Leben; und wird das Geist-Leben für (als) Gott erkannt und auch recht also genannt. Und das essentialische Leben für Natur-Leben, welches keinen Verstand hätte, wenn nicht der Geist oder das Geist-Leben begehrend wäre. In welchem Begehren das göttliche Wesen als das ewige Wort und Herz Gottes immer und von Ewigkeit erboren wird, von dem der begehrende Wille ewig ausgehet als sein Geist in das Natur-Leben, und eröffnet allda innen das Mysterium aus den Essentien und in den Essentien, dass also zwei Leben sind und auch zwei Wesen aus und in einem einigen, ewigen, un(er)gründlichen Urstande [Urzustand].

9. Und also erkennen wir, was Gott von Natur ist, wie es alles beides von Ewigkeit ohne einigen Grund und Anfang ist, denn es ist ein immer ewigwährender Anfang. Es anfänget sich immer und von Ewigkeit in Ewigkeit, da keine Zahl ist, denn es ist der Ungrund.

Der fünfte Text

1. So denn also von Ewigkeit zwei Wesen sind gewesen, so können wir nicht sagen, dass eines neben dem andern stehe und sich fasse, dass eines das andere ergreife; und können auch nicht sagen, dass eines außer(halb) dem andern stehe und eine Trennung sei; nein, sondern also erkennen wir's, dass das Geist-Leben in sich hineingewandt steht und das Natur-Leben aus sich und vor sich gewandt stehe.

2. Da wir's denn zusammen einem runden Kugelrade vergleichen, das auf alle Seiten [nach allen Richtungen] gehet, wie das Rad in Ezechiel (Hesekiel 1, 15) andeutet.

3. Und ist das Geist-Leben eine ganze Fülle des Natur-Lebens, und wird doch nicht ergriffen von dem Natur-Leben. Und das sind zwei Prinzipien in einem einigen Urstande, da jedes sein Mysterium hat und seine Wirkung. Denn das Natur-Leben wirkt bis zum Feuer und das Geist­-Leben bis zum Lichte der Gloria und Herrlichkeit; da wir dann im Feuer verstehen den Grimm der Verzehrung [Auflösung, Aufhebung] der Wesenheit der Natur und im Lichte die Gebärung des Wassers, welches dem Feuer die Gewalt nimmt, wie vorne in den [in meiner Schrift] »Vierzig Fragen von der Seelen« gemeldet (beschrieben) wird.

4. Und ist uns also erkenntlich eine ewige Wesenheit der Natur gleich dem Wasser und Feuer, welche also gleichwie ineinander gemengt [vermischt] stehen, da (wobei) es dann eine lichtblaue Farbe gibt, gleich dem Blitze des Feuers; das dann eine Gestalt hat, als [wie] ein Rubin mit Kristallen in ein Wesen gemengt, da es als gelb, weiß, rot, blau in dunkel Wasser gemengt, da es als [wie] blau in grün ist, da jedes doch seinen Glanz hat und scheint und das Wasser also nur ihrem Feuer wehrt, dass kein Verzehren allda ist, sondern also ein ewig Wesen in zweien Mysterien ineinander, und doch der Unterschied zweier Prinzipien als zweierlei Leben.

5. Und also verstehen wir hierinnen das Wesen aller Wesen und dann, dass es ein magisch Wesen ist, da sich kann ein Wille in dem essentialischen (irdischen) Leben selber schöpfen und also in eine Geburt treten und in dem großen Mysterio eine Qual [Regsamkeit, Beweglichkeit, Lebendigkeit] erwecken, sonderlich [besonders] im Feuers-Urstand, die zuvor nicht offenbar war, sondern lag im Mysterio als ein Glast [Abglanz] in der Vielheit der Farben verborgen, als wir dessen einen Spiegel an den Teufeln und an aller Bosheit haben und auch also erkennen, wovon alle Dinge böse und gut urständen, als nämlich von der Imagination [Einbildung] in das große Mysterium, da ein wunderlich essentialisch Leben sich selber gebieret [gebärt].

6. Als wir dieses eine genugsame Erkenntnis an den Kreaturen dieser Welt haben, als, da das göttliche Leben hat das Natur-Leben einmal erregt und erweckt, wie es hat so wunderliche Kreaturen aus dem essentialischen Mysterio erboren (erschaffen); da man dann verstehet, wie jede Essentia (Leiblichkeit) sei zu einem Mysterio worden als zu einem Leben, und auch weiter versteht, wie also in dem großen Mysterio eine magische Sucht (geheimnisvolles Streben) sei, dass also die Sucht jeder Essentien wieder einen Spiegel mache, (um) sich im Spiegel zu ersehen und zu erkennen.


7. Und da es alsdann die Sucht ergreift, - verstehe: den Spiegel - und in seine Imagination führt, und befindet, dass es nicht seines Lebens ist. Da dann die Widerwärtigkeit (Gegensatz) entsteht und der Ekel, dass die Sucht will wegwerfen den Spiegel, und kann doch auch nicht; also sucht jetzt die Sucht das Ziel des Anfangs und geht aus dem Spiegel, so ist der Spiegel zerbrochen, und ist die Zerbrechung eine Turba (Grimm, Groll, Zorn Gottes) als ein Sterben des gefassten Lebens.


8. Und ist uns hoch erkenntlich, wie dass die Imagination der ewigen Natur also die Turba mit in der Sucht im Mysterio hat, aber unaufwecklich, die Kreatur als der Spiegel der Ewigkeit wecke es denn selber auf, als den Grimm, der in der Ewigkeit im Mysterio verborgen liegt.

9. Uns (wir) sehen allhier, als sich die ewige Natur hat einmal mit der Schöpfung der Welt bewegt und erregt, dass der Grimm ist mit erregt worden und hat sich auch in Kreaturen offenbart, wie man denn (in) viel böser Tiere, auch Kräuter und Bäume sowohl Würmer findet, als (wie in) Kröten, Schlangen und dergleichen. Da die ewige Natur einen Ekel (Widerwillen) daran trägt, und (so) wird die Bosheit und Gift allein in seiner Essenz genährt.

10. Und deshalb(en) sucht auch die ewige Natur das Ziel der Bosheit und will die verlassen, da sie dann in die Turba als ins Sterben fället, und ist doch kein Sterben, sondern ein Ausspeien ins Mysterium (Verwandlung, Umformung), da (in der) die Bosheit mit ihrem Leben soll besonders stehen als in einer Finsternis. Denn die Natur verlässt sie und überschattet sie, (so) dass sie also in sich selber als (in) ein(em) bös(em), giftig(em) und grimmig(em) Mysterium (geheimnisvollen Wesenhaftigkeit) steht, und (in der sie) ist selber seine eigene Magia (Verzauberung, Einbildung) als eine Sucht der giftigen Angst.

Der sechste Text
1. Als wir uns also entsinnen und erkennen, jetzt finden wir die Widerwärtigkeit aller Wesen, da je eines des andern Ekel (Widerwärtigkeit) ist und das andere (an)feindet.

2. Denn ein jeder Wille begehrt eine Reinigkeit ohne Turba (Verstrickung im Grimm) in dem andern Wesen, und hat doch selber die Turba in sich, und ist auch des anderen Ekel. Jetzt fährt die Macht des größeren über das kleinere und hält das im Zwang, es (sei denn es, dass es ihm entflieht). Sonst herrscht das Starke über das Schwache. Als (ebenso) läuft das Schwache auch und sucht das Ziel des Treibers und will des Zwangs los sein, und (es) wird also von allen Kreaturen das Ziel gesucht, welches im Mysterio verborgen steht (liegt).

3. Und also und daher urständet alle Gewalt dieser Welt, dass je eines über das andere herrscht, und ist nicht am (von) Anfang (an) vom höchsten Gut geboten oder geordnet worden, sondern ist aus der Turba (dem Grimm Gottes) gewachsen, da es hernach die Natur für ihr Wesen erkannt hat, welches aus ihr geboren ist worden, und hat (muss) dem Gesetz gegeben (folgen), sich also im gefassten Regiment weiter zu gebären. Da dann diese Geburt also ist gestiegen bis zum königlichen Regal (Vorrrecht) und hat forter (des weiteren) also den Abgrund gesucht als Eines, bis es ist Monarchia worden als Kaisertum; und da es noch im Steigen ist und will Eines sein und nicht Viel(es). Und ob's (obwohl es) in Viel(em) ist, so will doch der erste Quall (das erste Ziehen, Antrieb, Impuls), von dem alles erboren ist (ausgeht), über alles herrschen und will alleine ein Herr sein über alle Regimente (Reiche).

4. Und dieweil dieselbe Sucht ist im Anfange ein Regiment (eine Herrschaft) gewesen und sich aber in der Zeit nach den Essentien in viel(es) geteilt hat, so sucht die Vielheit wieder das Eine und wird gewiss erboren in der sechsten Zahl der Kronen als im sechstausendsten Jahr in der Figur (im Zeitpunkt der Vollendung der Schöpfung), nicht am Ende, sondern in der Stunde des Tages, da die Schöpfung der Wunder ist vollendet worden.

5. Das ist: Da die Wunder der Turbae am Ende (der Welt) stehen, wird ein Herr geboren, der die ganze Welt regiert, aber mit vielen Ämtern.

6. Und wird allda gesucht werden, die selbst gewachsene Obrigkeit und der Treiber. Denn das Kleinere, welches unten gelegen` ist mit ans Ziel gelaufen. Jetzt scheidet sich ein jedes, denn es ist am Ziel, und ist (es gibt) kein Aufhalten oder Widerrufen.

7. Auch so wir die Turba als der Grimm aller Kreaturen gesucht, denn er ist auch mit dem Ekel (Widerwillen) der Kreaturen ans Ziel gelaufen; und wird jetzt offenbar als am Ziel mitten in der Kronenzahl im sechstausendsten Jahre, ein wenig darüber, nicht darunter.

8. In dem Tage und (der) Stunde, als (an dem) die Schöpfung im Myste­rio ist vollbracht und ins Mysterium - als ein Spiegel der Ewigkeit - in die Wunder gesetzt worden.

9. Das ist am sechsten Tag übern Mittag. Da steht das Mysterium mit den Wundern offen und wird gesehen und erkannt. Da dann die Reinigkeit wird die Turba (Grimm) austreiben eine Zeit(lang), bis der Anfang ins Ende tritt. Alsdann ist das Mysterium ein Wunder in Figuren.

Der siebente Text
1. So dann im Mysterium der ewigen Natur ist ein solch Arcanum (Geheimnis) gelegen, davon alle Kreaturen böse und gut sind, erboren und geschaffen worden, so erkennen wir's für ein magisch Wesen, da je eine Magia die andere hat durch Lust erweckt und ins Wesen bracht (geführt), als da sich alles Ding hat selber erhöht und in die höchste Gewalt geführt. Denn der Geist Gottes ist kein Macher in der Natur, sondern ein Eröffner und Sucher des Guten.

2. Also hat sich das Böse als durch magische Sucht immer selber im Mysterio mit gesucht und gefunden, und ist mit eröffnet worden, ohne Gottes Vorsatz (Vorherbestimmung); denn der Grimm ist eine Strengigkeit und herrscht über das Albere (Geringe).

3. Also ist alles gewachsen aus seinem eigenen Baume ohne Vorbedacht. Denn der erste Eröffner, als Gott, der hat die Bosheit nicht geordnet zum Regiment (nicht zum Herrschen eingesetzt); sondern die Vernunft und Witze (Klugheit) die sollte die Wunder eröffnen und eine Führerin des Lebens sein. Und entgegnet uns allhier das große Geheimnis, so im Mysterio ist in Ewigkeit gelegen, als das Mysterium mit seinen Farben, welcher vier sind, und die fünfte ist nicht dem Mysterio der Natur eigentümlich, son­dern des Mysterii der Gottheit, welche Farbe im Mysterio der Natur als ein lebend(iges) Licht leuchtet.

4. Und sind dies die Farben, da alles innelieget, als (1) blau, (2) rot, (3) grün und (4) gelb, und die fünfte als weiß gehöret Gott zu, und hat doch auch ihren Glast (Abglanz) in der Natur. Aber sie ist die fünfte Essentia, ein reines unbefleck­tes Kind, als im Gold und Silber zu ersinnen ist, sowohl an einem weißen, hellen Kristallsteine, der auch im Feuer be­steht.

5. Denn das Feuer ist aller Farben Proba (Bewährung), darinnen dann keine besteht als die Weiße, dieweil sie ein Glast von Gottes Majestät ist. Die schwarze Farbe gehört nicht ins Myste­rium, sondern sie ist der Deckel als die Finsternis, da (in der) alles innen liegt.

6. Auch finden wir hierinnen den Baums (Stammbaum) der Zungen als der Sprachen mit vier Alphabeten: als eines mit den Charak­teren (Signaturen, Kennzeichnungen), des Mysterii bezeichnet, darinnen die Natur-Sprache liegt, welche in allen Sprachen die Wurzel ist, und wird doch in der Ausgeburt der Vielheit oder der vielen Sprachen nicht erkannt, als von ihren eigenen Kindern, welchen Verstand das Mysterium selber gibt, denn es ist ein Wunder Gottes. Dieses Alphabet der Natur-Sprache liegt in der schwarzen Farbe unter allen verborgen, denn die schwarze Farbe gehört nicht in die Zahl der Farben. Sie ist Myste­rium und unverstanden als nur von dem, der die Natur­Sprache hat, dem sie eröffnet wird von Gottes Geiste.

7. Und das andere Alphabet ist das Hebräische, welches das Mysterium eröffnet und den Baum mit den Ästen und Zweigen nennt.

8. Das dritte ist das Griechische, welches den Baum mit der Frucht und aller Zierde nennt, welches erst recht die Witze (Klugheit) ausspricht.

9. Das vierte ist das Lateinische, da sich viel Völker und Zungen behelfen (bedienen), welches den Baum mit seiner Kraft und Tugend ausspricht.

10. Und das fünfte ist Gottes Geist, der aller Alphabete Eröffner ist. Und dasselbe Alphabet mag kein Mensch erler­nen, es eröffne sich denn selber im Menschengeiste.

11. Also urständen diese Alphabete von den Farben des großen Mysterii und teilen sich fürder aus (von da aus) in der Summa der 77 Sprachen, da wir doch nur fünf für die Hauptsprachen erkennen und 72 für die Wunder, darinnen Babel verstanden wird als ein Mund eines gewirreten Wesens (der babylonischen Sprachverwirrung), da die Vernunft ihren Führer hat verlassen und hat wollen alleine gehen und in das Mysterium steigen.

12. Wie solches bei den Kindern Nimrod am Turm zu Babel zu erkennen ist's (1. Mose 11), da sie waren von Gottes Gehorsam gefallen in eigene Vernunft; so hatten sie ihren Führer verloren und verwirrten die Vernunft (so), dass sie ihre eigene Sprache nicht begriffen.

13. Also wuchsen viel Sprachen, als 72 aus der verwirrten Babel, und gingen eine jegliche in sich selber ein und suchten Witze, eine jegliche in ihrer eigenen Vernunft und Bosheit. Denn sie hatten Gott verlassen und wurden Heiden, und Gott ließ sie gehen in ihren Wundern; denn sie wollten ihm nicht anhängen, sondern wollten ein eigen Gewächs sein und ihre eigene Vernunft, welche doch mit allen Farben vermischt war, sollte sie regieren.

14. Jetzt war die Turba (Verwirrung) geboren, dass sie nicht eines Sinnes waren, denn ein jeder wollte aus seiner Farbe leben, und waren doch nicht die rechten Hauptfarben, sondern nur ihre böse selbst ausgebrüteten Kinder, die sich in der Vernunft selber ausbrüteten. Und liefen ohne den rechten Führer, der alles hatte in eine Zunge` geschaffen und nicht mehr als eine eröffnet, einen Baum mit den Ästen und Kraft samt der Frucht.

15. Denn die vier Alphabete liegen in einem Baum und gehen auseinander, aber die Viele (Vielheit) der Sprachen müssen sich mit ihren Charakteren behelfen als Hausgenossen, und wol­len doch auch Eigene sein, und spreußen (widerstreben) sich alle wider den Baum.

Der achte Text
1. Also sehen wir jetzt den Ursprung (von) zweierlei Religionen, daraus Babel eine Abgöttin ist erboren, und das an den Heiden und Juden.

2. Denn in beiden ist Babel, und sind zwei Geschlechter in einem. Eines, welches aus seiner Vernunft, als aus dem Natur-Leben und Geiste, sich geht und sucht sich selber zu erhöhen, das macht ihm (sich) einen Weg in seinem Wesen, denn sein Wille geht aus seiner eigenen Sucht und suchet seine Magia als eine große Zahl zu seinem Regiment, eine Vielheit, und geht schlecht(erdings) aus sich vor sich hin. Sein Wille bleibt in seiner Vielheit und ist seiner Vielheit Gott und Führer.

3. Und ob ihm der freie Wille Gottes entgegentritt und straft ihn, so heuchelt der Abgott doch nur dem freien Willen als dem Geiste Gottes mit dem Munde, und ehrt seinen eigenen Willen in der Zahl der Vielheit. Denn derselbe Wille ist aus seinem Schatz als aus seiner Magia erboren. Er begreift nicht den freien Willen Gottes, und darum ist er aus Fleisch und Blut, aus seiner eigenen Natur geboren und ist ein Kind dieser Welt und hält seinen Schatz für seine Liebe. Also ist er jetzt ein Heuchler und eine verwirrete Babel (vergl. Text 7, 12ff.). Denn die Zahlen der Vielheit als seine eigene Magia verwirren ihn, dass er aus einer ausgeht in viel (die Vielheit). Jetzt ist diese Vielheit eine verwirrte Babel, und sein heuchlischer Mund, damit er dem Geiste der Einigkeit gute Worte gibt und viel gelobt, ist ein Antichrist und Lügner. Denn anders redet er und anders tut er. Sein Herz ist eine Sucht und seines Herzens Geist hat sich in die Sucht eingewendet.

4. Also ist der Magus der Vielheit jetzt ein stolzer, hoffärtiger, geiziger, boshaftiger Fresser und ein Geist aus der begehrenden Vielheit, und ist ein falscher Abgötter (Abgöttischer). Er hängt nicht dem freien Willen der Natur an, der da die Macht der Wunder in seiner Gewalt hat, und hat keinen Verstand in dem göttlichen Mysterio, denn er hängt demselben Geiste nicht mit seinem Willen an. Sonst, so sein Wille in die Freiheit eingewendet wäre, so eröffnete der Geist Gottes sein magisch Mysterium und stünden seine Wunder und Werke mit seinem Willen in Gott.

5. So sie aber nun aus sich ausgehen, so sucht der Anfang das Ende, und das Mittel ist die Turba. Denn es steht nicht im freien Willen Gottes, sondern es wächst aus sich selber und erhöht sich als ein stolzer Baum.

6. Und so denn Gott nur einig im Willen ist und in der ewigen Begierde als in der ewigen Magia einig ist, dass sich die Sucht der ewigen Magia also nun in den ewigen Willen ergibt und darinnen sein Leben schöpft, so ist der Wille, der aus der Geburt urständet (entsteht) als ein Abtrünniger, eine meineidige Hure, denn er ist eine Gebärerin der Falschheit und hängt nicht an dem freien Willen.

7. Und verstehen wir allhier eine Trennung von Gott, als (so wie) Luzifer dessen allen eine Ursache ist, der die Magia der Natur hat falschsüchtig gemacht. Und werden also in diesem zwei ewige Leben erboren, als eines in Gottes Willen und das ander(e) ins (in des) Teufels und Grimmes Willen. Und das ist Babel mit dem Antichrist auf Erden.

8. Alles, was aus Gottes Willen ausgeht in seinen eigenen Willen, das gehöret in Babel. Das sehet ihr an den Juden und Heiden, so wohl an allen Völkern.

9. Die Heiden blieben in ihrer eigenen Magia stehen. Welche aber aus der Sucht der Verderbung ausgingen ins Licht der Natur, weil sie Gott nicht kannten und lebten in der Reinigkeit, dieselben waren des reinen Willens Kinder, und in denen hat der Geist der Freiheit große Wunder in ihrem Mysterio eröffnet, als es an ihrer hinterlassenen Weisheit zu ersehen ist.

10. Die andern aber, so nur in ihrem eigenen magischen Willen, aus Fleisch und Blut lebten, denen ersoff ihr Wille in der Turba (dem Grimm der Verwirrung). Und die Turba quoll in ihrem Willen auf und gab ihnen einen Geist nach den Essentien der Geizigkeit und Grimmigkeit. Die suchten nur die Zahl der Vielheit als Herrschaften und Königreiche.

11. Und wenn die Turba nicht vor Gestalt fort konnte, so ergrimmte sie und fing Streit und Krieg an. Und daher urständet der Krieg als aus Hoffart und Geiz der Vielheit, und gehört mit seiner Zahl ins Mysterium des Grimmes.

12. Desgleichen waren auch die Juden: Gott offenbarte sich ihnen, aber sie hingen auch zweien Willen an, als ein Teil dem Gebot, mit ihrem Willen in Gottes Willen gerichtet als die Erzväter und alle frommen Hoffer Israelis; die andern taten mit den Händen das Werk des Gesetzes und hingen mit ihrem Willen an ihrer vergifteten Magia als am Geize, und suchten nur ihre Zahlen der Vielheit. Ihr Mund war ein Jude und das Herz eine babelische Hure, ein Heuchler und Antichrist mit guten Worten und falschem geizigen Herzen.

13. Und also ist in der Christenheit und bei allen Völkern die babelische Hure mit dem Antichrist eingesessen, da in einem Volk zugleich zwei Reiche wohnen, und lassen sich im innern Geiste nicht mischen, dass sie eins würden, gleichwie Ton und Eisen sich nicht mischen. Sie vermischen sich wohl nach dem Leibe, aber ihre Geister sind zwei Geschlechter, wie der Prophet Daniel saget, Kap. 2, 43.

14. Darum, wer den Antichrist will kennen, der suche ihn nur also, er findet den in allen Häusern. Aber der ärgste ist die gekrönte Hure. Und ihre Paten, welche sie aus der Taufe der Hurerei heben, dass sie auch mögen in der Zahl der Vielheit leben, sind die Schreier, die aus dem einigen Willen Gottes in viel Willen führen, dass sie nur die Zahl der Vielheit erben und irdische Bäuche mästen mögen.

15. Und der andere Part des freien Willens Gottes gehet mit seinem magischen Willen aus, aus sich selber in die Freiheit als in den einigen ungreiflichen Willen Gottes; der steht rücklings in der magischen Figur gewandt. Ihr Leben sucht Brot und geht vor sich, und ihr Wille ist nicht im Brot, sondern geht aus sich aus der Sucht, in Gott. Und die leben mit dem Willen in Gott in einer Zahl (in der Einheit), diese sind der rechten Magia Kinder. Denn Gottes Geist wohnet in ihrem Willen und eröffnet ihnen die ewigen Wunder Gottes und ihr Lebensgeist die Wunder dieser Welt.

16. Und die sind von Babel und dem Antichrist frei, und wenn sie ihm gleich in dem Schoß säßen. Denn das rechte Bildnis Gottes steht in dem Willen-Geiste, der aus dem Seelen-Geiste geboren wird.

Der neunte Text
1. So denn also zwei Magiae ineinander sind, so sind auch zwei Magi (Magier), die sie führen als zwei Geister. Einer ist Gottes Geist und der andere ist der Vernunft-Geist, darein sich der Teufel flicht, und in Gottes Geist die Liebe der Einigkeit. Und kann sich der Mensch nicht besser probieren (bewähren), als dass er mit Ernst merke, wozu ihn seine Begierde und Lust treibt, denselben hat er zu einem Führer und desselben Kind ist er auch. So hat er doch jetzt Macht, dass er denselben Willen breche und ändere, denn er ist magisch und hat die Gewalt.

2. Aber es muss Ernst sein, denn er muss den Sternen­Geist zähmen, der in ihm herrscht. Dazu gehört ein nüchtern(es), stilles Leben mit stetiger Einwerfung in Gottes Willen. Denn der Sternen-Qual (Macht der Sterne) zu bändigen, tut keine Weisheit noch Kunst, sondern Mäßigkeit des Lebens, mit steter Ausgehung aus den Einflüssen. Die Elementa schmeißen ihm immer die Sternen-Sucht (das irdische Begehren) in (den) Willen. Darum ist nicht so ein leicht(es) Ding, ein Kind Gottes zu werden. Es gehört große Arbeit mit viel Mühe und Leiden dazu.

3. Und darf sich doch der Antichrist ein Kind Gottes nennen. Aber Christus sagt: Sie werden nicht alle ins Himmelreich kommen, die da sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben und Taten getan. Aber er saget ihnen: Gehet hin von mir, ihr stinkenden Böcke, ich kenne euch nicht; Matth. 7, 22. - Ihr habet es aus der falschen Magia getan und seid nie in meinem Geist und Willen erkannt worden. Ihr seid in eurer geistlichen Figur (geistig betrachtet) Böcke, Tyrannen, Geizhälse, Hoffärtige, Wollüstige. Ihr habt meinen Namen auf eurer Zunge geführt, aber euer Herz der Wollust, des Fleisches Sucht aufgeopfert, und seid in der Turba geboren. Ihr müsst durchs Feuer bewährt werden. So kommt einem jeden Reich seine Frucht heim.

4. Darum, du schöne Welt, besieh dich in diesen Schriften, die dir der ewige Grund hat vorgestellt, und denke ihm also tiefer und weiter nach, oder du wirst erhascht werden in deiner Turba. Da sollst du mit einem Wesen durchs Feuer Gottes gehen. Und was ein Werk außer Gottes Willen ist, soll im Feuer bleiben (vergehen).

5. Was aber in Gottes Willen erboren (erschaffen) ist, soll stehen zu Gottes Ehren und Wundertat, und dem Menschenbilde zur ewigen Freude.

6. Nun denke, was du tust! Denn Babel steht schon im Loder (in den Flammen) und brennt an. Es ist kein Löschen mehr, auch keine Arznei. Sie ist (als) böse erkannt worden. Ihr Reich geht ans Ende. Halleluja !
S. 27-47
Nach: Mysterium Pansophicum, Herausgegeben und erläutert von Gerhard Wehr, Aurum Verlag . Freiburg im Breisgau

Philippus Aureolus Theophrastus Paracelsus (1493 - 1541)
De secretis creationes
Von den Geheimnissen aller Dinge
Philippus Theophrastus Paracelsus beyder Artzney Doctor
In dem Namen der Hl. Dreifaltigkeit Gott des Vaters, und durch die überfließende, unbegreifliche Weisheit Gottes des Sohns, und durch die große Liebe des Hl.Geistes, Amen.


Einführung
Seit der Zeit, da Gott, der Allmächtige, Adam schuf, bis auf diese Zeit, ist mancher hochgelehrte Mann der Heiden und Christen durch die Gnade Gottes des Hl. Geistes erleuchtet worden, wie das die heidnischen Meister und Philosophen wohl bekannt und uns in ihren Schriften hinterlassen haben, was wir Christen von rechtswegen zuhöchst anmerken und vor Augen haben sollten, nämlich das, was sie uns geschrieben haben: wie die Geheimnisse und Weisheit aller Dinge und Künste Gottes Gaben seien, und niemand solches haben mag denn dem sie Gott gibt, von welchem Ursprung und Fundament ihrer Lehre und Schriften der alten Weisen, sie uns nicht genugsam und wohlverständlich geschrieben haben, als allein durch ihr scharfes Nachsinnen und mit geheimen langen Reden in Figuren und Gleichnissen, dass es nit (nicht) wohl hie(r) in diesem finstern Tal der Tränen möglich ist etwas wohl zu verstehen, bis auf die Zeit der Gnaden, das ist auf das Vorsehen Gottes des Allmächtigen, . . . und uns das wahrhaftige Licht Jesus Christus gekommen ist, welches einen jeglichen Menschen, so in diese Welt kommt, erleuchtet, - in welchem Menschen Gott der Allmächtige das große Geheimnis aller Geheimnisse, in uns, seinen natürlichen und greifbaren Kreaturen ganz und aller­meist verborgen, geschaffen hat. Darum ist uns Christenmenschen alles möglich, alle göttlichen Geheimnisse zu verstehen, so fern wir nur unser Besinnen dazu schicken und Gott um seine Gnade bitten wollen, denn so ist er gutwillig und bereit uns zu geben. Denn er hat uns dazu geschaffen, dass wir seine Ehre und Glorie vermehren und zu aller Zeit ihn um solche seine Gnade und Weisheit bitten und anrufen sollen. Denn alle Weisheit kommt von Gott und es ist bei ihm kein Ende, denn er ist die höchste und tiefste aller Künste und Geheimnisse, wie denn die alten heidnischen Meister und Philosophen aus ihren Herzen bekannten, das sie in ihren Schriften offenbart haben, - wie sie es hie(r) den menschlichen Kreaturen mitteilen, - dass sie solche Kunst und Weisheit von ihm begehren konnten, ein jeglicher nach seinem Überlegen und Verstand. Weshalb auch Gott, der allmächtige Vater, sein göttlich Angesicht allzeit uns armen, unwürdigen, sündigen Kreaturen, auch aller Enden, barmherzig zuneigt und uns ansieht, denn er allein erkennt die Gedanken der Herzen und weiß alle Ding. Darum, o allmächtiger Gott, danke ich dir in deiner heiligen Trinität (Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit Gottes: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist), weil du den Menschen Barmherzigkeit und Wahrheit erweist, denn durch deine Kreaturen deiner großen Macht erkenne ich deine Macht, in der Schönheit bekenne ich deine Weisheit, und in der Fruchtbarkeit bekenne ich deine Gottheit, und so vollbringst du deine Werke.

Darum ihr Leser und Könner dieses Büchleins, lasst euch nicht verdrießen, solches mein langes Schreiben zu lesen, sondern nehmt es wohl in Acht, denn ich habe kein Wort umsonst geschrieben; es ist euch allen von Nöten daraus zu lernen, und wollt ein jegliches Wort bedenken, - denn da sind viel Verborgenheiten innen.

Nun, um euch kürzlich über die Wahrheit dieser Kunst, welche Gott der Allmächtige den alten Weisen vollkommen gegeben hat, zu unterweisen, welcher Gott in der Höhe der Himmel sitzt und alle Ding erschaffen hat und regiert, welcher ein fließender Brunn und Quell der ewigen Weisheit ist, und das Wort Gottes, des Aller­höchsten, der da aller Dinge ein Wesen ist. Darum muss derjenige, welcher die Kunst und Weisheit lernen will, im Anbeginn von Gott Verständnis erbitten, welches Verständnis in diesem Buch eingeschlossen ist, in dem allerwahrhaftigsten Wort, welches Wort Gott selber ist, welches - von dem Wort, dem allerwahrsten Schatz - (als) der Schatz mit großem Fleiß, aus der tiefsten Überdenkung, gebracht werden mag, - in dem Garten der allergerechtesten Zusammenlegung, der wahren Pflanzung, der Vollkommenheit aller Wahrheiten, alles, was Gott, und alle seine Schöpfung, und die Kreaturen mitsamt den Naturen (ist).

Und solches ist und wird in sechs besondere Kapitel geteilt, und auch darum, dass diejenigen in dem allernatürlichsten und höchsten Fortgang der Dinge, welche von der allerhöchsten Vollkommenheit traktieren und zu erlernen sind, zu studieren nicht träge seien. Und wer in dieser Kunst der inwendigen verborgenen Geheimnisse der Meister zu sein begehrt, der setze all sein Vertrauen und Meinung in den Namen des Herrn. Er wird den Lohn des Studierens also gewiss und sicher empfangen, das Wissen der Geheimnisse, mit der Hilfe der Gnade Gottes und dem Nachsinnen seines Verstandes, welches er durch kein Versäumen fügt und zwingt, sondern dass er die Endung des Fundaments von dem Gebäude ausgrabe, - welches Fundament des Gebäudes, des Baumgartens aller Weisheit und Wissens, die Meister des Studierens erklärt, welches schöner und köstlicher ist als alles Silber und Gold, Perlen und Edelgestein, das auf dem Erdreich ist.

Aber wer in diesem Buch des Studierens träge ist, der kann zu solcher Kleidung und Zier der Ehren, und zu dem köstlichen geheimen Schatz der verborgenen Weisheit nicht kommen, obwohl viel sind, die sich dünken lassen und darauf schwören, sie selber wohnten mitten in dem Baumgarten. Ich sage das: so wahr wie Gott ist, dass sie all ihr Lebtag nicht in dem Baumgarten der Geheimnisse gewesen sind, und haben auch ihr Lebtag solches kein Wissen gehabt.

Darum ist es mit ihnen gleich wie mit dem Esel, der da blind zum Abendessen geführt wird und nicht weiß, wohin er seinen Mund reckt oder stößt. Und so sagen sie groß und disputieren viel von den Dingen, da sie keinen Verstand oder Wissen von haben. Und gehört ihnen doch, trotzdem zu wissen, wollen sie ihrem Namen, um des willen und dafür sie geehrt und genannt sein wollen, anders genug tun, - wiewohl Hochgelehrte vielmals von manchen Dingen arguieren (reden im Sinne von begründen, beweisen), so wie der Blinde von der Farbe spricht. Darum so studiert und lernt in diesem Büchlein, was allhier von dem Garten der Geheimnisse zu lernen ist, welches Geheimnis über alle Geheimnisse der Wissenschaft ist, die da in allen Dingen der Naturen und Kreaturen verborgen sind. Darum, so nehmt und empfangt die Gaben Gottes in dem Namen des Herren Jesu Christi.

Gott hat keinen (weder) Beginn noch Anfang gehabt, und wird auch kein Ende haben. Das ist natürlich zu bekennen und zu glauben, dass Gott keinen Beginn noch Anfang gehabt hat.

Denn hätte Gott einen Beginn gehabt, so müsste das selbe Beginnen eine Substanz oder Wesen gewesen sein, welches Wesen auch immer einen Anfang gehabt haben müsste, und so weiter, so lange, bis dass immer zuletzt ein Ding oder Wesen gefunden sein worden musste, von welchem man keinen Beginn hätte finden können. Denn so lange, wie man einen Beginn eines Dinges finden kann, so ist das selbige nicht ohne Beginn. Und darum so muss notwendig ein Wesen sein, von welchem man keinen Beginn finden kann. Und so muss das selbige Letzte, das man gefunden hat, sonder (ohne) Beginn und Anfang sein, ein Wesen, eine Substanz, sonder (ohne) Beginn und Anfang, und die selbige Substanz muss demnach in der Erste gewesen sein, von welchem alle die andern Dinge hergekommen wären. Darum ist es natürlich zu glauben, dass Gott keinen Beginn gehabt habe, wenn kein Beginn noch Anfang, sondern Gott gefunden wird. Und so ist es auch natürlich zu bekennen, dass er auch kein Ende nehmen kann. Denn von was (welchem) Wesen oder Substanz ein Ding einen Beginn hat, durch dasselbe Wesen kann es wieder zerstört werden. Und darum: wenn Gott von keinem Wesen noch Substanz einen Beginn oder Anfang gehabt hat, kann er auch durch kein Wesen noch von keiner Substanz ein Ende nehmen. Also ist Gott ewig gewesen, sonder (ohne) Anfang, denn in Gott wird kein Anfang oder Beginn gefunden, darum soll er auch ewig bleiben, - also ist Gott ewig gewesen, sonder (ohne) Anfang, und soll auch ewig sein, ohne Ende, und seine Macht ist überall, an allen Enden und in allen Dingen. Und Gott, der da ein ewiges Wesen ist, - in welchem da waren die Formen aller seiner Gestaltung, seiner Weisheit, - des Sohnes, - und in dem Willen seines göttlichen Hl. Geistes, - welche Gestaltung und Form ein Feuerschein in seiner Gottheit war. Darum kann Gott wohl verborgen sein, wo er will, und wohin er will und was er will, das kann er einem auch wohl offenbaren. Darum ist seine Verborgenheit und Offenbarlichkeit kein gemeines Feuer, denn es lässt sich nicht zu lang verbergen, sondern ist: sich bis zu seinem göttlichen Willen zu offenbaren, welches verborgene Feuer ein Augenschein und ein widerscheinender Schein war, - welch Wesen des Scheins der menschlichen Erkenntnis in ihren Verstand ihres Nachsinnens nicht wohl begreiflich ist: in welcher Form, Gestaltung und Schein Gott in seinem göttlichen Wesen gewesen sei. Aber der Engel und der Geistlichen Wissenschaft ist ein Blitz, Wesen und Schein gewesen, wie die Geister das vollkommen zu erkennen gegeben haben, und ist natürlich zu glauben. Denn eine rechte blaue Farbe hat viel Lichtes, mit viel verborgener unerkennbarer Farbe in ihr. Denn eine schöne blaue Farbe ist so fröhlich und lieblich anzusehen, und der Glanz des Scheines in dem Ausscheinen und wieder Einscheinen der verborgenen Farbe tut den fleischlichen Augen wehe, und bricht um des Glanzes des verborgenen feurigen Lichts, das in der finsteren verborgenen Substantien nicht zu erkennen ist, willen dem menschlichen Angesicht seinen Schein.

Darum spricht der Geist: die fleischlichen Augen können das nicht sehen, denn in blauer Farbe ist keinen geschaffenen Kreaturen Düsterung und Licht zu erkennen möglich, sondern allein Rat zu weisen und erkannt (?). So ist auch noch Düsternis und Licht mit einander vermischt gewesen, ehe Gott, der Allmächtige, Himmel und Erde erschuf, und darum ist Gott ein Corpus, ein Geist, wann er sichtig gewesen ist, gleich einem Feuer in einem düsteren Flammen, denn ein Feuer wird für ein Corpus und für einen Spiritum gehalten, denn was man sieht, das ist corporisch (körperlich), und das man nicht greifen kann, das ist spiritualisch (geistig), darum wird gesagt, Gott ist ein Feuer und ein Geist, - und der Geist Gottes ist in seinem eigenen Wesen gewesen, welches Wesen das Licht und die Klarheit alles Lichts gewesen ist, welches ein spiritual Corpus, ein lüftig Wesen gewesen ist, wie Baruch spricht: das ist unser Gott, und gegen diesen soll kein anderer geachtet werden noch genannt sein. Darum spricht Paulus: aus ihm, in ihm und durch ihn sind alle Dinge; demselben sei Lob und Ehre.

Und eh nun Gott, der Allmächtige, alle Dinge schuf, wusste er wohl, wieviel Engel, wieviel Menschen sein sollten, und wieviel der Engel fallen sollten, und wieviel Menschen behalten werden sollten, wieviel verloren sein sollen, und wusste auch, was ein jeglicher Mensch tun sollte und die Gedanken des Herzens zu sprechen und zu merken, und was Todes ein jeglicher sterben sollte. Und Gott wusste auch wohl die Zahl seiner geschaffenen Kreaturen; denn Gott hat alle Ding ewig gewusst und in seiner Gottheit gesehen, und dass er aller Dingé, durch die Ewigkeit seiner Gottheit zu geben und zu schaffen, mächtig wäre, was natürlich zu glauben ist. Denn ein kunstreicher Werkmann, welcher ein Werk zu machen beginnen will, - so muss er das selbige Werk, das er machen will, erst in seinem Sinn imaginieren (vorstellen, einbilden), wie solch (ein) Werk in der Gestaltung, Form, Weite, Größe, Höhe und Tiefe sein soll, und von was (für einer) Substanz er das machen soll, von Holz oder Stein oder von andereren Materien, aus dem er auch wohl merken kann, wie lange es währen kann, - und darnach, wie es an einem Ort, trocken oder feucht, stehen soll, darnach und auch nach demselbigen, nimmt er auch die Substanz. Nach dem allen kann er auch beinah recht überschlagen, was das Werk wohl kosten werde. So ist es natürlich zu glauben, dass Gott, der Allmächtige, die ewige Weisheit und der Meister aller Meister, von welchem die Welt ihre Weisheit und Meister­schaft hat, und ein jegliches so viel, als seinem göttlichen Willen gefällig, ist.

Sollte dann die selbige ewige Weisheit und Meister nicht zuvor gewusst, und solches in der Ersten Gottheit und Weisheit gesehen haben, alle Ding, die allhier geschaffen wurden, wie sie sein sollen, den Anfang, Mittel und End? Das war in der Mauer nicht möglich, dass er solches alles zuvor in seinem göttlichen Wesen und Weisheit nicht ge­sehen oder gewusst haben sollte. Denn wenn Gott aller Dinge ein Anfang und Ursache ist, darum ist natürlich zu glauben, dass er alle Dinge zuvor gewusst und gesehen habe, wie sie werden und sein sollen, durch seine ewige, über alle Dinge wesende, allmächtige Gottheit, wie denn ungezweifelt ist »ein wahrhafter Gott«, von dem und von welchem alles Wesen seinen Anfang, Ursprung und Leben nimmt, durch den, welcher alle Dinge durch sein ewiges Wort geschaffen hat, wie denn viele Lehrer schreiben und uns lehren, wie dass die göttliche Weisheit in der Bibel, welche da sein Wort des ewigen Wortes ist, beschrieben ist, - durch welches Wort das ewige Wort alle wissenden Dinge, die von Gott geschaffen sind, erleuchtet, wie die Engel, die Himmel, die Sterne, die vier Elemente, auch andere empfängliche Kreaturen, und alle Menschen, so in diese Welt kommen, welches durch das Ewige Wort geschehen und gekommen ist, welches Wort, wie Hieronymus spricht, der wohlgelehrte Plato nicht gewusst hat, denn das Wort ist den Wohlsprechenden gar unbekannt gewesen, wie denn auch Demosthenes schreibt und auch Paulus zu den Römern, nämlich so: haben sie Gott bekannt, so haben sie ihn doch nicht Gott entsprechend geehrt, denn sie sind flüchtig in ihren Gedanken. Darum sagt Salomon: das Buch des Lebens ist ein »Testament des Allerhöchsten und eine Wissenschaft der Wahrheit, beschließt in sich und begreift alle diese Dinge, welches Buch die Biblia ist, und ist das der Heiligen Schrift, das Buch des Lebens, welches unsterblich ist und kein Ende nimmt, wie Ezechiel in der Person Gottes spricht: Ich habe ihnen meine Gerechtigkeit gegeben, die der Mensch tun soll, auf dass sie in ihr bleiben; und die innen wohnen, die sollen das ewige Leben haben. Darum nun: so in keinem Buch oder Wissenschaft des Menschen Heil und Seligkeit gelegen ist als in der Weisheit seines Gottes, welche Weisheit allein in dem Buch der Hl. Schrift, welche da ist die Bibel, die den Schöpfer und Heilmacher aller Kreaturen bekannt macht, steht, das selbige Buch durchsuchet recht, so werdet ihr finden und verstehen, was Johannes in seinem Evangelium, in welchem Johannes offenbar Gott und alle geschaffenen Kreaturen und alle Ding erkläret, geschrieben hat, - die Gerechtigkeit, (das ist wohl: die Befugnis), die Gott dem Menschen gegeben hat, dass er darin leben und tun soll, wie hier geschrieben steht. Es folgt das Evangelium Johannis: In principia usque plenum gratiae et veritatis. Amen.

Die erste Wirkung Gottes
In diesem ersten Wort ist die ganze Natur im Himmel und Erden begriffen, welche Natur er im Anfang durch das erste Wort, welches Wort Gott selber ist, ausgeteilt hat, und im Anfang war das Leben und das Licht, das da in die Finsternis leuchtend war, und das selbige Wort des Ewigen Lichtes ist von den Himmlischen Wissenheiten genannt, und durch welches Wort ein besonders Verständiger alles, das im Himmel und Erden ist, lernen, wissen und ergründen kann, die alle von dem Ewigen Wort Gottes gekommen sind, in welchem Wort des finsteren Gestiebs mit den feuchten Wolken das wahrhaftige Licht in der Finsternis verborgen war, welches Licht das Leben und die Seele aller seiner geschaffenen Dinge ist, durch welches Licht das Leben, die Seele und alle Dinge erleuchtet wurden, und leben von dem Ewigen Licht, welches Licht Gott selber ist, und ist die Sexta Essentia und das medium (vermittelnde Wesen) aller Dinge. Denn Gott ist die Sexta Essentia, denn in dem ersten Wort, das Gott sprach, darin schuf er das Licht des Lebens, nämlich da er sprach: es werde Licht. Das selbe, das da Licht ward, ist das Licht des Lebens, das alle Dinge erhält, denn in welchem Dinge das Licht des Lebens innen ist, das ver­geht und wird zu nicht; und darum ist das Licht des Lebens in allen Dingen, die Gott, der Allmächtige, geschaffen und gemacht hat, - und so bald eine substantia zergeht und zunichte wird, so geht das selbe Leben wiederum zu dem Leben des Lichts, das es zuvor ausgeteilt hat durch das Mittel der Verwirklichung und Vereinigung der drei Elementen, in welchen dreien das vierte Element, das Feuer, verborgen ist, in welchem Feuer das Licht des Lebens ist, welches Leben das Wesen und die Weisheit aller geschaffenen Dinge im Himmel und der Erden ist, denn ohne das Wesen kann nichts sein. Darum: durch das Wesen des Ewigen Wesens ist alles Ding im Wesen.

Nun, um kurz zu offenbaren und erkennen zu geben, was das Ding sei, das in allen Dingen ist, und ohne das Ding kann nichts geschehen noch werden, das selbig Ding ist die göttliche Kraft, und Gott hat es von sich geschaffen, durch sein ewiges Wort, wie ihr einesteils zuvor gehört habt. Denn von was (für einer) Complexion (Zusammensetzung) die Natur eines Dinges ist, derer Naturen ist es geboren. Nun hat Gott, der Allmächtige, alle Dinge geschaffen und gegeben, und Gott ist ein verborgen Feuer, darum hat er auch in der ersten Materia ein verborgen Feuer geschaffen. Und Gott, der Herr, schuf die Engel von den geistlichen Elementen des Feuers der ersten Materie. (Welches über das Begreifen des Menschenverstandes ist, aus welchem ein Unterscheiden des suppositi ist, das ist: eine Scheidung, dass kein Ding dem andern gleich ist.) Darum sind die Engel feurig, denn sie sind von solchem Wesen der geistlichen elementischen Feuer. Darum also sind sie viel klarer und scheinen geistlich herab, welches den Menschen schwer zu erkennen ist, denn um ihrer großen Subtilität (Feinheit) willen können und vermögen sie durch alle Dinge, ohne Verletzung derselben, wie ein Blitz, zu gehen. Gleich wie auch die Seele des Menschen, welche Gott auch von derselben Substanz geschaffen hat, und darum ist eines Menschen Seele auch ein Feuer, das von dem zuvor die Engel gemacht sind, - und Gott hat des Menschen Seele, das ihm selber unbekannt ist, noch höher, mit der sechsten Essentia, begabt, - und das Leben ist in allen Dingen, ist unendlich wie Gott, und das selbige heißt Anima (Lufthauch, Atem, Seele). Aber sie ist in einem Ding klarer als in einem andern. Darnach wie Gott, der Allmächtige, in seinem göttlichen Willen seines Hl. Geistes ein jeglich Ding zu seiner besonderen Art geschaffen hat, in dem­selben ist die Anima aufs allerfeinste und reinste. Welche Wirkung der Anima die Engel, die Menschen, noch auch die Höllischen wegen ihrer inwendigen Subtilität nicht sehen oder begreifen können, denn Gott hat sich solches allein vorbehalten, weshalb er auch allein Gott, ein Herr und Gewaltiger ist über alle Kreaturen.

Deswegen niemand denken soll, dass Gott etwas geschaffen habe, das sich ihm vergleichen oder gleich machen könne, denn hätte Gott solches den Engeln offenbart, so wären sie im Wissen ihm gleich geachtet gewesen, und wären seine Freund und nicht seine Diener gewesen. Und so tut auch Jesus Christus, sein eingeborener Sohn, welcher es auch nicht offenbaren noch sagen wollte, da ihn die Juden im Tempel fragten, durch was Macht er solche Wunder täte oder von wem ihm die Macht gegeben sei? Er aber gab ihnen darauf keine Antwort, denn sie waren nicht würdig solches zu wissen. Aber Gott sprach zu seinen Jüngern nach dem Abendmahl und der Fußwaschung, da er so lange und viel mit ihnen redete: Ich nenne und heiße euch meine Freunde, denn alles, das ich von meinem Vater gehört habe, das hab ich euch offenbart und gesagt. Darum, wenn jemand sein Geheimnis und Wissenschaft einem anderen offenbart, so ist ihm derselbe darnach gleich geachtet, darum weil der andere auch weiß, was er weiß. Darum so hat es sich Gott allein vorbehalten in seiner göttlichen Majestät, denn da ist die Anima in ihrem Wirken, denn es ist ein subtil feurig Wesen, das weder die Engel noch jemand (anderes) sehen und verstehen kann ...

Der Quell des Ursprungs der ewigen Weisheit in dem Höchsten, durch seine milde Gottheit, hat den obersten Thron des Himmels, die Engel, in der ersten Materia durch sein ewiges Wort geschaffen, als er sprach: es werde Licht. Und da es Licht ward, teilte er das Licht von der Finsternis, und nennt das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Und als solches durch sein ewiges Wort geteilt und geschehen war, dass aus der prima materia, die da wie Gestieb der Sonnen gestaltet war, und die Gott, der Allmächtige, aus Nichts geschaffen hatte, die Engel, - alles, diese drei Dinge, zur Stund in dem ersten (Geschehen) ward, und die prima materia ward in demselben gleich zu Wasser, und die Finsternisse waren auf dem An­gesicht des Abgrunds der verschiedenen Elemente, und also war das Wasser das erste Element, welches die anderen Elemente verborgen in sich hatte, und da floh der Geist Gottes über die Wasser in den feurigen Himmel, welcher Empyreus genannt wird, denn es ist eine geheime Statt der großen Gewalt, in welchem Thron die Gottheit sitzt. Denn Thronus heißt ein Himmel der obersten Hl. Dreifaltigkeit, oder des allerhöchsten Stuhles Gottes, welcher Himmel mit den Engeln und mit dem obersten Licht der Klarheit, die Gott selber ist, geziert ist.

Zur Stunde war das die Verklärung des obersten Throns des Himmels, welches der Behälter der obersten seiner ewigen Wirkungen, seiner Schöpfungen, war, welches Licht Gott den Tag nannte, darum dass seine geschaffenen englischen Kreaturen seine ewige Allmächtigkeit erkennen könnten, - durch welche Ewigkeit der Tag des Lichts, das Gott selber ist, durch sein ewig Wort seiner Schöpfung auch ewig bleiben sollte. Durch welche Ewigkeit die englischen Kreaturen erkennen, dass er der Anfang und Ursache aller Kreaturen und Dinge sei, ein Gott, allmächtig, unwandelbar, über alle Dinge Seiend, alle Dinge aus Nichts schaffend, ein Wesen vollbracht habend, ewig perfekt, durch welches perfekte ewige Leben und Wesen alle die englischen Kreaturen die andere Geburt seiner Schöp­fung aus der Finsternis, welche Gott die Nacht nennt, erkennen, die dem nach noch verborgen geschaffen war, ein Licht, welches Licht leuchtend über sie war, und über sie gesetzt ward, - und das selbige Licht ward die menschliche Natur. Und Gott schuf die Luft des Gestiebes der ersten Materie, Gut und Böse, alles gleich viel, nicht aller Enden nur sein (unendliches) Ewig, von dem vollkommenen ungeschaffenen Gott, geschaffenes Wort. Und Gott erkannte darinnen alle Dinge, Gut und Böse, alles das er daraus schaffen wollte, und aus der klaren Luft schuf Gott Luzifer mit seinen Gesellen, also ward die Finsternis aller der bösen Luft geschaffen und klar, ohne Sünde ...

Da Luzifer, der Engel, sah dass das verborgene Licht in der ersten Materien der Wasser leuchten und über die englischen Kreaturen werden sollte, da gewann Luzifer den Neid, den er hat, gegen die menschliche Natur, und da begann sich die finstere Luft in Luzifer, die in der klaren Luft verborgen war, zu offenbaren. Und so im Anfang ärgerte sich Luzifer, der Engel, da er das Mal den klaren Spiegel aus der heiligen Dreifaltigkeit sehen wollte, da verwunderte er sich an dem: wie das herumging, gleich einem Zirkel (Kreis), und diese eilige Dreifaltigkeit, eine Sonne des klaren Spiegels, welche da alle Tugend der Gottheit in ihr hat. Da gedachte Lucifer: hat Gott alle diese Dinge und große Tugend in ihn geschlossen, so hab Lucifer wieder alle große Untugend dagegen, und so weiß ich und bin, das in mir geschlossen ist: drücke ich alle meine Untugend aus, so fliegen alle Tugenden Gottes fort, so komme ich über des höchsten Gottes Rat, gleiche seiner Statt, (denn er ist Gott), und er flieht meine Bosheit. Und da Lucifer aus seinem ganzen freien Willen die letzten Untugenden dachte, da fiel er mit allen seinen Gesellen, durch alle himmlische Chron (?), denn die Himmel konnten ihn nicht länger behalten, sie kannten ihn wohl mit allen seinen Gesellen, so etwas von ihm hielten. Lucifer und seine Gesellen wussten Gottes Stärke, Allmächtigkeit, der gar nichts verborgen ist, nicht, und wussten nicht, dass ein jegliches, so da gut und bös ward, seinem Schöpfer dienen musste, denn wider die allmächtige Gottheit gilt oder hilft keine andere Stärke. Als die erste Sünde im Himmel geschah, - aber Gott schuf Luzifer ohne Sünde, mit der klaren reinen Luft, und die Sünde war finster, unreine Luft, denn Luzifer mit seiner Gesellschaft war von den Elementen der Luft, welche bedeckten, bezwangen, und besetzten die unreinen Lüfte. Aber Luzifer, durch seinen freien Willen, zog die unreinen Lüfte der Sünden aus, da er im Himmel war, denn in Luzifer war die Unreinigkeit der Lüfte, und der Himmel war gereinigt, da Luzifer mit seiner Gesellschaft ausgestoßen ward, - und Luzifer war gefallen, ehe denn Adam geschaffen ward.

Dermaßen also war die erste Wirkung Gottes durch sein ewiges Wort, aus dem Gestieb (bewegten Staub) der ersten materia, welche Gott in Wasser verwandelte; von welcher ersten Materie des Wassers Gott, der Allmächtige, hernach alle Ding schuf: die Himmel des Firmaments, die Sonne, Mond und alle Sterne an dem Himmel des Firmaments, und alle Kreaturen, empfindende und nichtempfindende, vernünftige und unvernünftige, welche Dinge Gott, der Allmächtige, darnach aus der ersten Materie der Wasser durch seine Allmächtigkeit schuf.

Die andere (zweite) Wirkung Gottes
In der andern Wirkung sprach Gott: es werde ein Firmament, eine Festung zwischen den Wassern. Und Gott machte das Firmament, und schied das Wasser unter dem Firmament von dem Wasser über dem Firmament, und Gott nannte das Firmament Himmel, welcher Himmel von dem alleredelsten, reinsten, subtilsten (feinsten) und klarsten, der allergebährhaftesten Substantien der Luft ist, von der ersten materia der Wasser ausgezogen, und durch das Wort des E. worts geschaffen ist ... [Ich lasse den weitgehend in Siglen geschriebenen Text dieses Kapitels beiseite, weil ohne ein Wissen um den Autor eine Gewähr für die einigermaßen gewisse Auflösung der Chiffern und Sigel nicht gegeben werden kann.]

Die dritte Wirkung Gottes
In der dritten sprach Gott: es sondere sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, dass man das Trockne sehe, - und es geschah also, und Gott nannte das Trockene Erde und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. In diesen drei Wirkungen Gottes werden die vier Elementa geboren, jegliches in seinem Wesen unterschiedlich, in sich selbst wesentlich, unter welchen drei sichtbar sind: die Erde, das Wasser und Feuer, das vierte ist unsichtig (nicht sichtbar), das ist die Luft, und solche alle vier sind vollkommen, allen empfindenden und unempfindenden, ver­nünftigen und unvernünftigen Kreaturen. Und unter den drei sichtigen (sichtbaren) Elementen sind nicht mehr denn zwei leich­nahmlich oder körperlich, die Erde und das Wasser, welche man sehen und greifen kann, denn ein jedes Ding, das man sieht und greifen kann, ist ein corpus (Körper) von irdischer substantia. Und die andern zwei sind spirituale Elementa, das Feuer und die Luft, welche man nicht greifen kann, aber man fühlt sie wohl, und das Feuer ist nur ein halber Spiritus; deshalb dass man es sehen kann, und deshalb, dass man es nicht greifen kann, ist es ein Spiritus, und ist das edelste und höchste Element, denn ohne das Element Feuer könnte man nicht sein oder leben. Diese zwei spiritualen Elemente sind der Mann, und die zwei leichnamlichen Element sind die Frau, durch welche zwei männlichen Spiritual-Elemente die andern zwei leichnamlichen fraulichen Element in wirklicher Vollbringung nach dem Gebot Gottes, des Allmächtigen, und Willen, durch Natur die Eigenschaft der Wirkung gegeben hat. So wie da Gott sprach: die Erde grüne und bringe Frucht, Gras und Kraut, das da Samen mache und wachse Holz, das Äpfel trage, und der Same sei in ihm selber mit der Erden, ein jeglicher nach seiner Art und Gestalt.

Also hat sich in der ersten Materia das Wasser aus dem Gebot und Willen der Ordinierung (Anweisung) des allmächtigen Gottes in drei gradus (Abstufungen) ausgeteilt, in Luft, in Erde und Wasser, und das vierte ist in diesem verborgen, das ist das Feuer, und ein jegliches ist in sich selbst dreifaltig, wie das Wasser, das in sich Luft und Feuer hat, denn hätte das Wasser diese nicht in sich, so könnte es sich nicht zu seiner Wirklichkeit bewegen, denn die Luft und das Feuer ist das Leben, durch das es bewegt wird, durch alle Dinge zu gehen, über sich und unter sich, durch die Erde, durch Stein usw.; und die Wärme des Feuers ist, das da erwärmt und spermatiert (keimt) in der Feuchtigkeit und Kälte des Wassers, damit es die Wirkung seiner Feuchtigkeit in empfindenden und nichtempfindenden Dingen vollbringen kann. Und wenn jemand sagen wollte, es sei kein Feuer im Wasser, der frage die auf dem Meer fahrenden Schiffsleute, die das wohl wissen: wenn ein groß Ungestüm auf dem Meer ist, wie es des Nachts brennt und gleich einer schönen Flamme leuchtet, und dass man kein Feuer von materialischer Substantia daraus gewinnen kann, ist darum, dass es luftig und ein halb spiritual Element ist, gleich wie das materialische Feuer, und darum geht es und dringt es durch alle Dinge.

Also sind drei Elemente Spiritus; das Feuer und Wasser sind zwei spirituale Elemente, aber die Luft ist ein ganzer Spiritus, welchen man nicht greifen noch sehen kann, und der Spiritus richtet die andern in allen Dingen und aus allen Dingen. Und die Erde hat in ihr Wasser und Feuer, denn durch die Feuchtigkeit des Wassers wird sie gar subtil (fein) aufgelöst und hergeteilt, dass sie dann alle empfindenden Dinge, welche die Subtilheit der Erde in sich aufnehmen und sich dadurch verkörpern, durchsteigen und -gehen kann, - ein jedes nach seiner Art und Gestaltung der Vermengung und Komponierung (Zusammensetzung) der Elemente, als Gras, Holz und andere Früchte, - und das Feuer muss alles erwärmen, dass alle Ding wachsen können, und sie müssen auch die Fruchtbarkeit haben, denn alle Ding, die gebären und Frucht bringen sollen, die müssen warm und kalt sein, denn die prima materia war die Fruchtbarkeit der Wasser, welche da ein Anfang und die Wurzel aller geschaffenen Dinge, welches Wasser in sich hat, gewesen ist.

Das vierte in der ersten Schöpfung Gottes unterscheidliche Element, die Luft hat in ihr Wasser und Feuer, darum weil sie das Leben aller Ding ist, denn ohne die Luft kann nichts lebend werden noch wachsen, denn die Luft ist das Leben aller Dinge, und die Luft in einem jeglichen Ding Geben und Nehmen, das es zu viel oder zu wenig hat, als Feuchtigkeit durch ihre Feuchtigkeit zu geben, Feuchtigkeit durch ihre Feuchtigkeit zu nehmen, und so ist die Luft das Leben aller Dinge. Und es ist das Element, welches das sperma (Samen, Keim) ist in allen Dingen, mit Hilfe oder vermittels seiner Wärme und Feuchtigkeit, denn das, das fortbringen soll, muss warm und feucht sein. Das Element Luft ist ein subtiler Spiritus, wie auch die philosophi sagen, dass dieser Spiritus mit seinem spiritualen Feuer das Sperma in allen Dingen ist, und das Element Luft gibt das Leben und nimmt's auch wieder. Und dieser spiritus ist bei allen Elementen, und also tut die Erde nichts ohne Wasser, noch das Wasser ohne Luft, noch die Luft ohne Feuer, und die drei Element [Textzerstörung] ehren das vierte Element, das Feuer, welches in den dreien verborgen ist. Denn das Feuer ist die Natur, und die Natur macht und tötet alle Ding, gleich wie Gott solches tötet und lebendig macht, so tötet auch die Na­tur, denn wo das Feuer der Natur bei ist, das selbige wird lebendig und wächst und vermehrt sich in den Dingen, ganz vollkommen, und wenn das Feuer der Na­tur wieder entgeht, so stirbt es und wird wieder zur Erde und zu einem tödlichen corpus, und das corpus der Erde ist das medium, dass sich die drei Elemente innen halten und ihre Wirkung vollbringen, und wenn das Feuer der Natur davon scheidet, so scheidet auch die Luft und das Wasser der Feuchtigkeit, und darnach sterben die Ding, von denen die drei scheiden. Und welches von den dreien beginnt oder zu scheiden anfängt, so ist eins dem andern so gehorsam und so in eins verbunden, dass sie alle hinwegscheiden und mit einander gehen, denn ihrer keins kann, um der Perfektion oder Vollkommenheit willen, ohne das andere sein, denn alles, so perfekt sein soll, muss allzumal durch die drei vollbracht und erfüllt werden. Ein Philosophus fragte, ob die Erde feurig und luftig sein müsse, dass sie Furcht bringen könne. Es antwortet einer darauf: sie muss zusammen feurig und luftig sein, - und so hat Gott, der Allmächtige, ein jegliches Ding unter dem Himmel in vier einander widerstehende, unterschieden Ding geschaffen und ausgeteilt, welches vierte das Feuer ist, das in seiner eigenen Natur allen Dingen wider­stehend ist. Und die Widerständigkeit kommt daher: wenn die drei spiritualen Elemente, eins in einem Ding mehr oder weniger wird, denn des Dinges Eigenschaft ist, so entsteht eine Zwietracht der Elemente; welches mehr ist, das will regieren und die andern unterdrücken; welche Vermehrung und Verminderung der Elemente durch die subtile Wirkung der Luft geschieht, die die Feuchtigkeit oder Hitzigkeit des Feuers mehrt oder mindert, darum gibt es und nimmt das Leben in allen Dingen unter dem Himmel, allen vollkommenen und unvollkommenen Kreaturen, denn die Ungerechtigkeit der Eigenschaft eines jeglichen Dinges, die kann die Natur des Feuers nicht vertragen.

Denn das Feuer ist der Herr und Richter unter den Elementen, denn ohne des Feuers Natur können sie ihren Willen der Wirkung nicht vollbringen, und darum ist es denn, dass die Natur des Feuers den Willen der ungerechten Elemente in den Eigenschaften der Dinge berichtigt. So scheidet die Natur des Feuers von einem Ding, und wenn es scheidet, so müssen die andern mit ihm scheiden, und darnach stirbt das Ding und wird ein tot corpus (toter Körper).

Und so hat Gott, der Allmächtige, alle Dinge von Anfang an geteilt, von dem (der) höchsten bis auf den wenigsten (geringsten) Grad (der Abstufung), durch seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, und hat eine Natur geschaffen, eine Substanz, in ein Ding ein Wesen, ist dreifaltig eins, inwändig und auswändig; gleich wie der allmächtige Gott in seinem Wesen dreifaltig ist, so hat er auch zu seinen ewigen Ehren und Gloria (Ruhm) dies Wesen auch so geschaffen, dass es sich in drei gradus austeilt, und diese drei Teile sich zusammenhalten, denn eine jegliche Zerstörung und Gebärung muss durch die Teile vollbracht werden, - und wird in drei gradus ausgeteilt, zu seinem Lob und Ehre, wie Gott dreifaltig und einig, in seiner Majestät ewig, in sich ist.

Und als nun die alten Weisen, durch die Gnade Gottes, des Hl. Geistes, dazu gekommen sind, dass sie die Natur also erkennen, und den Anfang aller geschaffenen Dinge aus einer Wurzel entsprungen sahen und erkannten, auch wie der allmächtige Gott die Natur erschaffen hat, und wie eine Natur mit der andern verbunden war, und wie eine Natur aus der andern wird, und mit großer Ordinierung (Anweisung) sich eine Natur in die andern verkehrt und sich eine in der andern erhält, wie gleicherweise 1 2 3 4 zu teilen ist, welche 10 machen, wenn die Zahl zusammengesetzt wird, von 10 20 30 40 dann dadurch 100 kommen, und von 100 200 300 400 dann dadurch 1000 kommen und gemacht werden, und wie nun das Teil nichts anderes ist als um eine Zusammensetzung eines mit dem andern zu offenbaren, - und so ist es auch ein gegen-Teil: wenn dasselbe Ein geteilt wird, so ist es des andern Teil, und so mache das darnach noch einmal geteilt, davon erwächst das Dritteilt, das man 3 nennt, und 60, und dies dann noch einmal geteilt wird, davon kommt und wird das vierte Teil und erfüllt 1 2 3 4, so wird eins aus den andern geteilt, aus dem 1 zählen, und den 10, und aus den 100 und aus den 1000. Und so hat Gott, der Allmächtige, aus der ersten materia der schwebenden Lüfte, welche prima materia ein Anfang ist den obristen (obersten) Thronen des Himmels, und den Engeln, und darnach aus der ersten Materien der Wasser die vier Elementa und darnach durch die vier Elementa alle Kreaturen geschaffen, daraus die Alten Weisen erkannten, was die ganze Zusammensetzung war, und in alleweg das Subtile aus dem Groben und das Subtile im Groben verbunden war. Und durch dieses bemerkbare Nachdenken und hohen Fleiß, den die Alten Weisen anwandten, ward ihnen durch die Gnade des Hl. Geistes die Gnade verliehen, durch die sie eine wunderbare Natur über alle und unter allen überschwänglichen Guttaten, die Gott uns armen Menschen zu gut geschaffen, überkamen und fanden, und sie so durch den Willen Gottes und durch die Natur erkennen, dass aller Ding Ursprung von einem Wesen hergekommen war, aus dem alle obersten und un­tersten Ding ihren Ursprung und Wesen haben, welches im Anfang alles ein Ding gewesen ist, welches da war die prima materia des Gestiebes der Läufe, welche prima ma­teria sich in Wasser veränderte. Welches darnach nach dem Willen Gottes, zu seinem Lob, Ehr und Würdigkeit, er in drei gradus ausgeteilt hat: in Luft, in Wasser und in die Erde. Und ein jegliches hat sich in seiner Art und Komplexion (Zusammensetzung) von dem wenigsten Grad bis auf den mehrsten ausgeteilt ...

Der erste gradus: also hat sich zum ersten das Feuer ausgeteilt, welches war der erste Grad, das hat sich im Weg der Natur von dem wenigsten Grad bis auf den höchsten zu dem Geschlecht aller wachsenden Dinge, als da Kräuter, Bäume, Korn und alle Früchte, Krauts und Grases, ausgeteilt. Solches alles ward geschaffen durch das Wort, da Gott sprach: die Erde grüne und trage Kraut, das Samen mache, Holz, das Äpfel trage, ein jegliches nach seiner Art und Gestaltung, und diese Ding sind alle von der Natur des Feuers, kalt und feucht ...

Der andere (zweite) Grad, und zum andern Mal, so hat sich die Luft in dem Wege der Natur von dem wenigsten bis zum höchsten Grad ausgeteilt: zu dem Geschlecht aller Tiere und zu allem demjenigen, welches tierlich und natürlich ist, welches da alle von der Natur der Luft sind, warm und feucht, als die Vögel, die vierfüßigen Tier, die Fisch im Wasser und empfindende lebendige Ding und auch die Menschen, ein jegliches nach seiner Art und Ge­stalt seiner Form ...

Der dritte Grad. Im dritten Grad, welches da ist die Erde, die hat sich auch am Wege der Naturen ausgeteilt, von dem Wenigsten bis zu den höchsten, zu den erdischen Geschlechten, das ist alles, so inwändig der Erden ist, wie die Metalle und alles, das irdisches Erz ist wie Schwefel, Vitriol, Salpeter, Alaun, Salz, Lasur und dergleichen, die da alle von der Natur der Erde sind, kalt und trocken, und ein jegliches wächst und generiert in die Tiefe der Erden Inwendigkeit, ein jegliches nach seiner Art und Gestaltung seiner Komponierung und Vermengung der irdischen Element...

Die vierte Wirkung Gottes
In dieser Wirkung sprach Gott: es werden Lichter an der Feste des Himmels, und scheiden Tag und Nacht, und es seien Zeichen, Zeiten, Tag und Jahr, und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie auf Erden scheinen.

In dieser vierten Wirkung schuf Gott die himmlischen Körper von der Q. E. des Himmels, welche Körper die Sterne der zwölf Zeichen des Himmels und andere Sterne und die Flammen sind; alle diese Sterne sind körperliche Essentia. Und das Firmament des Himmels unterscheidet sich in neun (bezeichnet) unterschiedliche Teil(e), welche Teile übereinander geschlossen sind wie ein Dotter in einem Ei, - in welche neun Himmeln oder unterschiedenen Teilen Gott der Allmächtige die Zeichen, Sterne und Flammen, und die zwo großen Lichter setzte. Und das große Licht unter den zweien großen Lichtern, das ist die Sonne, die sollte den Tag regieren, und das kleinste Licht unter den zweien großen Lichtern, welches ist der Mond, sollte die Nacht regieren. So hat Gott den Himmel mit den himmlischen Körpern und Sternen der Planeten und den zwei großen Lichtern, welche Tag und Nacht schön scheinen und viel schöner und klarer denn der Himmel sind, geziert, um der Feurigkeit der Quinta Essentia willen, welche der Masculus ist, und der Himmel die Foemina, und darum hat Gott, der Allmächtige, durch seine ewige Weisheit die Erde in die Mitte des Firmaments gesetzt, damit die obersten Corpora durch die Bewegung ihres Umlaufs ihre Wirkung und influentias (Einfluss) in die Erde haben können, desgleichen in alle Kreaturen, empfänglich und unempfänglich, auf dass sie solche Wirkung empfangen und derselben teilhaftig sein sollten, und auch darum, dass die vernünftigen Kreaturen, nämlich der Mensch, solche Wirkung wohl in acht nehmen und erkennen möchten, und sich also nach Zeichen, Zeit, Tag und Jahr recht halten und dessen ein Wissen haben könnten, und in diesen Dingen hat Gott, der Allmächtige, allen untersten Dingen einen Vater und eine Mutter geschaffen, welcher Vater die Sonne ist und die Mutter ist der Mond, durch welche zwo Kräfte und Wirkungen, der Sonnen und des Mondes, die Erde und das Wasser ihre sperma und Natur fortbringen, denn Gott, der Herr, hat in allen seinen Wegen der Schöpfung seine Barmherzigkeit und Wahrheit bewiesen, dass die ganze Zusammensetzung aller Welt, es sei die große, mittlere oder kleine Welt, nicht mehr denn eine Zusammensetzung ist; darum ist es unmöglich, rein natürlich zu reden, dass der Himmel nicht seine Einwirkung auf diese unterste Welt haben sollte.

Darum hat unser Vater Hermes durch die Eingebung Gottes, des Hl. Geistes, recht prophezeit und die W ahrheit, an der kein Zweifel ist, gesagt, dass diese untersten Dinge, die wir Menschen sehen und greifen, und alles; das verborgen von Gott geschaffen ist, mit den obersten himmlischen Dingen übereinkommen, und wiederum auch das oberste himmlische Wesen, wie es Gott geschaffen hat, kommt mit diesem untersten überein, und werden von diesen obersten regiert, - nicht dass die untersten desgleichen die obersten regieren. Darum hat ein jeglicher Stern an dem Himmel seine Influenz (Einfluss)und Eigenschaft auf der Erde, dadurch die Dinge auf der Erde nach demselben Stern seine Influenz (Einfluss) und Eigenschaften haben, darnach es von Gott so ordiniert (eingesetzt) ist, und das mag man für glaublich halten, dass unter dem Gestirn die Bilder an dem Firmament des Himmels zu den Dingen auf der Erde einfließen, dazu sie von Gott, dem Allmächtigen, geordnet sind, und ihre Bildung und Form dem Menschen und allen Kreaturen geben, von woher es kommt, dass ein Mensch lang, der andere kurz ist, der dritte dick, der vierte dünn; der eine hat ein solches Angesicht, der andere ein anderes, und desgleichen, und so auch mit allen andern Kreaturen, denn Gott hat nichts vergebens, ohne Grund geschaffen. Gleicherweise ist ein Stein, Volus genannt, der regiert über den Stein Adamant, und Adamant regiert über den Magnet, der Magnet über das Eisen, desgleichen der Mond über die Wasser des Meers, die Sonne über alles, das in der Welt ist, denn sie ist der oberste Planet an dem Himmel, denn alle Sterne und Planeten in dem Himmel nehmen ihre Kraft von der Sonnen und die Sonne ist ihr Herr. Und die menschliche Bildung: die Stern am Himmel geben ihre influentias (Einflüsse) auf die Corpora (Körper) der Menschen, und die Bilder der Häuser am Gestirn am Himmel geben ihre influentias und dominieren (herrschen) über die Tiere der Erde, und die andern über die Früchte und Kräuter der Erde. Und darum ist ein solcher großer zusammenhängender Leib zwischen den himmlischen Körpern und den irdischen Körpern aller Dinge, dass ein jegliches seine Ordinierung (Bestimmung), je nachdem es von Gott geschaffen ist, zu vollbringen begehrt, - wie Aristoteles spricht: dass der Himmel eher brechen sollte, ehe Gott das geschehen lassen sollte, dass die Natur in dieser Welt Gebrechen haben oder leiden sollte, darum hat Gott, der Allmächtige, das Gestirn geschaffen, dass sie ihre Einwirkungen und Influenz auf diese untersten Dinge haben sollen ...

Die Influenz und das Einwirken des himmlischen Gestirns ist ein Eingang zu den untersten Dingen der Erde, ein jegliches nach seiner Complexion (Zusammensetzung) und Natur, nach der vielfachen Vermengung der Elemente, nach dem, wie es von Gott geordnet worden ist. Ein jegliches folgt den Dingen und hat ein Aufmerken zu demjenigen, das er lieb hat und ihm zugeeignet ist. So ist es natürlich, dass es ein Gedenken hat, gleicherweise wie ein Mann allzeit ein Gedenken hat und der anhangt, die er lieb hat, und ebenso, wie der Hunger der Kost anhängt, und der Durst Verlangen nach dem Trunke hat, so ist es auch allzeit mit den Influentien des Gestirns und der Planeten, denn sie hangen allzeit an und haben das Einfließen zu allen Dingen der elementischen Natur in und auf Erden, wie einem jeg­lichen gegeben ist, und dazu haben sie alle Hunger und Durst, wie ihr in dem Gleichnis gehört habt. Darum hat alle Kreatur, es sei Stein oder Wasser, Kräuter und Wurzeln, Tiere, welcher Geschlecht es sei, desgleichen auch die Menschen, ein jegliches besonders eine eigene influentiam von dem Gestirn, die an sich haben Anima, und ihrer eines dem andern nachfolgt ...

Und Gott, der Allmächtige, hat dem Menschen vor allen andern unvernünftigen Kreaturen und Tieren eine besondere Gnade gegeben, das ist sein Eigenwille, welcher Wille die Seele des Menschen ist, und der Wille ist eine von den drei Kräften der Seele, welcher eigen Wille (die durch den Eigenwillen) den Menschen zu guten Werken und Willen ordinieren (führen) soll, weshalb der Mensch die bösen Werke und Willen, welcher da ist der materialische Geistwille und -anziehung, lässt, und die guten Werke und Wille der Seele, welche da ist die sechste essentia, (annimmt), und das ist nicht in andern Kreaturen, darum sind uns alle anderen Kreaturen untertan. Denn hätte Luzifer mit seiner Gesellschaft die sechste Essentiam ohne Vermengung mit dem lüftigen elementischen Spiritus, welcher die unreine Luft war, so hätte er nicht gesündigt oder Sünde getan. So folgt eine jegliche Kreatur der influentia, die dahin geht, nach durch die Empfängnis und das Eingeben des Geistes, welchen die Influenzen mit sich führen.

Auch haben die Sterne Influenzen an einem jeglichen Gliede an des Menschen Leib, zu dem Haupte, zu dem Halse und zu allem, das der Mensch hat, und die sieben Planeten regieren die ganze Welt. Und die Sonne ist der oberste und mächtigste Planet und der Vater, und der Mond die Mutter, und die Sonne steht mitten oder im Mittel der Planeten und teilt ihren Schein unter sich und über sich in Berg und Tal, und die Sonne ist ein Feuer, scheint an allen Enden, und erwärmt und erleuchtet alle Dinge, denn der Tag ist nichts anderes als ein Glanz und Schein der Sonne, und alle Tage sind nicht mehr denn ein Tag und sind dennoch sieben Tag genannt nach den sieben Planeten, und die Sonne gibt den sieben Planeten alle ihre Kraft, und dadurch sind die Planeten auch Herrn der Welt. Und darum hat Gott, der Allmächtige, durch die Influentiam die sieben Planeten geschaffen, und [sie] geschieht sieben Metallen: Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber, die alle fortgebracht werden durch die Kochung der Sonne und durch die Influentias der andern Planeten. Saturnus hat Gott dem Blei zugeordnet, und das Blei hat eine Eigenschaft, die Saturnus genannt ist; Jovem hat Gott zum Zinn ordiniert, denn das Zinn hat Gott in aller Eigenschaft wie Jovem ordiniert und darum das Zinn Jupiter genannt; Martern, den hat Gott zum Eisen ordiniert, denn das Eisen hat alle Eigenschaften wie Mars, weshalb es auch Mars geheißen wird. Und den Planeten Sol, so der alleredelst unter den Planeten ist, den hat Gott zum Gold geschickt und ordiniert, denn Gold hat alle Eigenschaften wie die Sonn, darum wird das Gold Sol genannt, und durch den Planeten Venus hat Gott das Kupfer ordiniert, denn Kupfer hat alle Eigenschaft wie die Venus, weshalb auch das Kupfer Venus genannt wird, und durch den Planeten Mercurium hat Gott das Quecksilber beschickt und ordiniert, denn das Quecksilber hat alle Eigenschaft wie der Planet Mercurius, und darum wird das Quecksilber Mercurius genannt. Und durch den Planeten Lunam hat Gott das Silber beschickt, ordiniert, denn das Silber hat alle Eigen­schaft wie Luna, und darum wird das Silber Luna ge­nannt. Und Luna ist eine Mutter und regiert die Wasser, denn wenn Luna aufgeht um zu scheinen, so beginnt das Meer aufzusteigen, und wenn der Mond bei der Sonnen Untergang kommt, so fängt es wieder an aufzusteigen, und wenn der Mond seinen untersten Lauf hat, so geht es wie­der nieder, und wenn er wieder erneuert wird, so tut das Meer gleich wie zuvor; also geschieht es alle Tag, dass das Meer auf- und niedersteigt. Solches geschieht demnach nicht, wann die Sonn auf- und niedergeht; darum ist zu merken, dass dieses allein durch den Mond, welcher eine influentiam hat der Wasser, geschieht, und über dieselbe dominiert, und die Wasser und das Meer des Mondes Influenz in seine Regierung nimmt und empfängt, und sie dem Monde gehorsam seien auf Grund der Ordinierung des allmächtigen Gottes, der alle Dinge nach seiner göttlichen Weisheit ordiniert und geschaffen hat, - und so wirkt auch die influentia des Himmels in den Spiritus des Menschen, denn der Spiritus des Menschen ist von der Complexion der himmlischen Natur, und wenn der Mond neu zunimmt, desto weniger nimmt sie an der Hitze ab; und wenn es in der ersten und letzten Konjunktion ist, je wärmer die Sonne ist. Wenn aber der Mond in der Opposition oder voll ist, so scheint die Sonne am allerkältesten, und darum, wenn der Mond zunimmt, so scheint er vor Mitternacht; wenn er aber voll ist, so scheint er vor und nach Mitternacht, die ganze Nacht über, und wenn er abnimmt, so scheint er nach Mitternacht, - und der Tag ist eine Scheidung des Monds, und die ... scheidet durch die Sonne, welches ist die Kälte und Feuchtigkeit des Monds.

Die fünfte Wirkung Gottes
In dieser fünften Wirkung sprach Gott: es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und mit Gevögel, das auf der Erde unter dem Firmament des Himmels fliegt; in dieser fünften Wirkung schuf Gott große Walfische und allerlei Getier, das da lebt und webet, ein jegliches nach seiner Art, und allerlei gefiedertes Gevögel von den luftigen Elementen, ein jegliches seine Art und Gestalt fortzubringen; und Gott segnete sie und sprach: seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und das Gevögel mehre sich auf Erden. So hat Gott, der Allmächtige, das Wasser mit den lebendigen bewegenden Dingen der Fisch, welche in dem Wasser sind, begabt und geziert, und die Luft und Erde mit den lebendigen Dingen der Vögel und allem Getier auf der Erde, begabt und geziert. Solches hat Gott alles um der großen verlangenden Liebe willen, die er zu dem Menschen hat, darum dass sich der Menschen Leben aus und von der Complexion der vier elementischen lieblichen Naturen erhalten, also dass ein lebendiges Ding das andere erhalten muss, darum dass sie beide vom lebendigen Wesen sind, von den materialischen Lüften der reinen Elemente, denn eine jede Complexion der Natur ist der andern der­gleichen eine Nahrung und Erhaltung. Und das ist um der subtilen Austeilung willen, die da geschehen ist durch das Wirken der Natur, welche aus den vier Elementen alle Dinge der Kreaturen zu einer Bequemlichkeit und Nahrung der Erhaltung des menschlichen Lebens, es nach der Ordination (Bestimmung, Einsetzung) und Willen des allmächtigen Gottes zu erhalten, ausgeteilt und verbunden hat. Deshalb ein jeder, der Mensch ist, Gott hoch zu danken, allzeit dankbar zu sein, und Gott für seinen Vater zu erkennen, wodurch auch ein Mensch mit recht Gott gehorsam ist, schuldig ist, denn alles, das da ist und das wir haben, das haben wir alles von Gott, wie man hierüber in diesem Büchlein wohl hören tut, wie und was und wovon alle Dinge gekommen sind, - demselben Gott sei Lob und Ehre und Danksagung nun und zu allen Zeiten.

Die sechste Wirkung Gottes
In dieser sechsten Wirkung Gottes sprach Gott: die Erde bringe herfür (hervor) lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art, Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, - und so hat Gott, der Allmächtige, die Erde mit den lebendigen schönen Tieren begabt und geziert, und mit nichtfühlenden Dingen, den grünen Kräutern, mit den Birnen, Äpfeln und anderen Früchten der irdischen Gestalt. Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde, und über alles Gewürm, das auf Erden kreucht, - und Gott, der Allmächtige, machte den Menschen aus dem Erdenkloß, welche Erde von acht Stücken oder Substantien war, welcher Kloß und Erde ein Auszug war: die Subtilheit der vier Elemente von den vier Elementen der Erde, welche Subtilheit von sieben Substanzen war. Die erste Substantia war von dem Gestieb der ersten Materien, die andere (zweite) Substantia war Wasser des Meers, das dritte war von den Steinen der Erde, das vierte war von den Wolken des Himmels, das fünfte war von dem Winde, das sechste war von der Sonne, das siebente war von dem Mond, und Gott machte den Menschen letztlich nach seinem Bilde und zum Gleichnis seines göttlichen Bildes und Vollmacht mit dem achten Stück, da Gott ihm einen lebendigen Atem in sein Angesicht blies, welches der Hl. Geist war, dadurch der Mensch in das ewige Leben bereitet würde. Und Gott, der Herr, baute einen Garten in Eden, von Anbeginn, das Paradies der Wollust, darein setzte er den Menschen, und Gott der Herr ließ aus der Erde allerlei Kraut und Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen, aufwachsen, und sprach zum Menschen: Siehe, ich hab euch gegeben, alles das Kraut bringt und den Saft auf der Erden, und alles das Holz, das den Samen seines Geschlechts in sich selber hat, dass sie euer seien zu einer Speise, auch alle lebendige Tiere der Erde, in welchen die lebendige Seele ist, auf dass ihr alles zu essen habt. Und brachte ihnen darnach das Holz (den Baum) des Lebens in das Mittel (die Mitte) des Paradieses, welches da war das Holz (den Baum) der Erkenntnis des Guten und Bösen, dass der Mensch das Paradies (be)bauete und bewahrte. Und der Herr gebot ihnen und sprach: du sollst essen von allerlei Blumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis Gutes und Böses sollst du nicht essen, denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben. Und Gott brachte vor Adam allerlei Tier der Erden und allerlei Vögel unter dem Himmel, dass er sehe, wie er sie nennte (benannte), denn wie der Mensch alle lebendigen Tier nennen würde, so sollten sie heißen, und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Gevögel unter dem Himmel und Tieren auf dem Felde seinen Namen.

Aber Adam hatte keinen Gehilfen, der ihm gleich war, und Gott sprach: es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, wir wollen ihm einen Gehilfen machen, der ihm gleich werde. Da ließ Gott, der Herr, auf den Menschen einen tiefen Schlaf fallen, und er entschlief (schlief ein), und (Gott) nahm seiner Rippen eine, und schloss die selbige Stätte mit Fleisch zu, und Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen nahm, ein Weib, und brachte sie ihm. Da sprach Adam: Das ist doch Bein von meinen Beinen und Fleisch von meinem Fleisch, man wird sie Männin heißen, darum dass sie vom Manne genommen ist; darum wird ein Mann seinen Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen und sie werden sein ein Fleisch

Und sie waren die Wurzel und eine Blum Gutes und Böses, all gleich hier in dem Mittel; aus allen Dingen sind sie geschaffen in ein Ding, männlich und fraulich, denn Adam, der erste Mensch, ist hier gleich von allen Elementen, gut und böse, in einem Stück geschaffen worden, und das Böse ist von sich allein geworden, Gut durch das Mittel groß Leiden, das er geduldig getragen hat, und darum hat Gott Adam wieder in ein göttlich Wesen, mit allen seinen Kindern, die ihm nachtun können, verklärt. Welches besser ist denn er, das gehört in dem obersten Chor der Himmel höher, als darnach sie gut sind, und was böser ist denn die selbigen sind, das gehört in den untersten Chor der Höllen, je tiefer und tiefer, je böser sie sind.

Weil nun Gott in seinem Wesen dreifaltig ist, so hat er auch zu seiner ewigen Ehren und Glorien auch also geschaffen, nämlich ein Corpus (Körper als Träger), Spiritum (Geist) und Animam (Seele), und die Anima kommt vom Himmel, der Spiritus von der Luft und das Corpus von der Erde. Erstens wird das Corpus des Menschen von Dingen der vier Elemente gespeist, aus der Speise von den Früchten, durch die menschliche Verdauung natürlichen Essens und Trinkens, von dem der Mensch lebt und seine Nahrung hat, denn die Nahrung und Speise schafft das menschliche natürliche Wirken, welches die alleredelsten und subtilsten Kräfte von den vier Naturen der vier Elemente ist, welche ganz gleich in eine Substanz mit Hilfe der mittleren Natur des Geistes, der im Menschen ist, vermengt und vermischt werden, denn der Spiritus ist bei allen Elementen der ganzen Welt bei der mittleren Natur, welches ist das verborgene spirituale Feuer, so da ist, sperma (Same, Keim) und die natura generativa (Zeugungskraft, Fortpflanzungskraft), welches Element der Luft der Natur und Spiritui des Lebens alle Dinge der Welt gibt und einnimmt.

Und die Substantia der menschlichen Natur und Sperma ist eine warme spermosa Feuchtigkeit, welche durch Mithilfe des natürlichen Begehrens und Wirkung des Mannes und der Frau abgeteilt wird, und in sich beide ist, dieselbigen Substantia, männlich und fraulich, welche Materia generativa ist, warm und feucht. Alles, was gebären soll, muss feucht und warm sein, und gebärt eins das andere, und sobald die Wirkung geschieht, so ist der Mann wieder für sich, auch die Frau allein für sich, und wann dann vierundzwanzig Ding zusammenkommen, so wird daraus sozusagen ein Mirakel (Wunder), denn nicht viel Menschen können der elementischen Natur Wirklichkeit wissen noch verstehen, darum sagt man insgemein: der Mensch ist von der Erde gemacht und soll auch wieder zur Erde werden. Ja, Gott hat den Adam vom Schleim der Erde (gemacht), aber Adam hat uns - hernach im andern Grad - gemacht, welches da ein Schleim der Menschigkeit ist; darum werden wir Menschen nun von den Menschen und nicht aus Erden gemacht, wiewohl der Ursprung aus den vier Elementen ist, und die Komponierung der Menschenkörper ist die Subtilheit der vier Elemente, welche Subtilheit auch sowohl die acht Stück oder Substantien, von welchen Gott Adam gemacht hat, in sich hat, von der Subtilheit der vier Elemente des Himmels und der Erden, - und darum werden wir auch durch die vier Elemente des Himmels wiederum gebrochen und verzehrt .

So sind alle Dinge von den vier Elementen, so unter dem Himmel sind, und das soll auch ebenso wieder verzehrt werden, denn Gott tötet und macht lebendig; so tut auch die Mittelnatur, die macht alle Dinge unter dem Himmel und bricht es wieder. Darum ist alles (jedes) Ding, das unter dem Himmel ist, vergänglich, ohn (ausgenommen) allein die göttliche Natur mit ihrer Natürlichkeit, die, welche da ist im Himmel und der Erden, soll bleiben, durch sein göttlich ewig Wort, das er selber ist, durch welches er alle Dinge, den Himmel und was im Himmel ist, die Sterne und die Planeten und vier Elementa, das das in der Erden und auf der Erden ist, geschaffen hat; darum hat Gott gesprochen: alle Dinge auf Erden werden vergehen, aber mein Wort wird nicht vergehen.

Und wenn nun die Materia, das sperma, eine tiefe Substanz, in den Schrein des freundlichen Leibes geschlossen ist, darin es gekocht und in eine massam (Form, Behälter) coaguliert (ausgeflockt, geronnen) wird, wird es von Gott mit der ersten Einwirkung begabt. Denn Gott begabt einen jeglichen Menschen mit dreifacher Würde; die erste Würde ist die Form seines göttlichen Bildes, welches Bild das Corpus ist, und ist ein medium zwischen der Seele und dem spiritu, und unser Körper ist von den Elementen, und keine Erde, aber ein retinaculum (Auge) der Elemente und des spiritus. Und darnach schickt Gott, der Allmächtige, aus seiner göttlichen Barmherzigkeit und Liebe, so er zu dem menschlichen Wirken hat, einen Engel mit der Seele zu der Frau, so da befruchtet oder schwanger ist, mit dem corpore, und ist sie zornig, so geht der Engel mit der Seele wieder hinweg; darnach über zehn Tage wieder, ist die Frau noch zornig oder böser Gestalt, so geht der Engel wieder weg mit der Seele, und kommt darnach wieder über zehn Tage, welches da ist der vierzigste Tag ihrer Empfängnis des corporis, und stürzt die Seele in das corpus der Einfügung, die Frau sei geschickt oder nit, und durch solche Unfreundsamkeit und Zornigkeit der Frauen wird derselbige Mensch in seinem Leben so beschaffen, dass er seiner Seele (ge)fährlich ist, denn er führt gemeinhin ein ungottsames (gottloses) Leben, und die Seele nimmt den Spiritus der Luft mit sich, welcher da das Leben des Fleisches und der elementischen Natur ist, in allen vollkommenen und unvollkommenen Dingen, die unter dem Himmel sind, und derselbige Geist ist auch in uns, deshalb weil wir aus den vier Elementen sind, denn der Geist der Luft ist das Leben und der Regierer und der Behälter der vier Elemente, den ohne den Spiritum kann kein Ding in seinem Wesen sein noch bleiben, und dass die Seele den spiritum ergreift und ihn mit sich in das corpus führt, das geschieht darum, dass sie beide von einem Wesen, spiritual in sich, beide der Mutter Natur und ein Ding sind, von Luft und Feuer, und darum, gleich und gleich, nimmt eins das andere, und eins ist dem andern zu willen und gehorsam: zu sein, zu tun und zu wissen, wo sie beide sein wollen. Und der spiritus ist das medium, das die Animam und corpus zusammengibt und durch den Tod auch wieder scheidet. Denn der spiritus ist die corruptio (Verderbnis) und ist ein Element der Luft, und des Men­schen Seele ist von dem edelsten aus allen Elementen, welches da ist das Wesen der Luft, davon die Engel gemacht sind, und das Leben derselbigen, das ist von Gott selber. Darum, was aus dem Himmel kommt, das kommt auch wieder in den Himmel, insofern dass die Seele nicht dem Geist zu viel folgt. Folgt sie dem aber zu viel, so bleibt sie samt dem Geist unter dem Himmel, denn was von Gott unter den Himmel ordiniert (befohlen) ist, das bleibt auch ewiglich unter dem Himmel, denn der Geist oder spiritus ist von Gott ordiniert (betimmt) unter dem Himmel zu sein, darum soll er auch unter dem Himmel bleiben.

Der Geist oder spiritus in dem Menschen, das ist die Seele aller vollkommenen und unvollkommenen Dinge, die unter dem Himmel sind, - und der spiritus ist ein Freund des corporis, denn das corpus spricht: O spiritus, du hast mir eine edle essentiam gebracht; ich habe Gott durch die Seele im Sakrament gesehen. Denn Gott hat die Seele mit drei Kräften oder Potentias (wirksamen Möglichkeiten) begabt; die erste ist die Potentia des Verstands, die andere ist die Potentia des Gedächtnisses, die dritte Potentia ist der Wille, und diese drei Kräfte sind in der Seele, und die Seele ist von diesen dreien. Darum kann der Mensch durch die Seele alle Geheimnisse und verborgenen Dinge in dem Menschen erkennen und begreifen, wenn sie nicht durch das corpus gehindert wird, denn je mehr die Kraft des corporis durch die natürliche Speise, Essen und Trinken, zunimmt, je mehr das Verständnis des Geistes zerstört wird und abnimmt.

Darum spricht der Weise Baltenus: du sollst dein Licht, das ist: deine Seele, in ein rein gläsern Gefäßlein, das ist: das corpus, das nicht zu übermäßig gespeist ist, setzen, so kann der Verstand die Geheimnisse und wunderbaren Werk Gottes begreifen und erkennen, und auch begabt Gott, der Allmächtige, einen jeglichen Menschen nach seinem Verstand, welches dann auch nicht allentwegen Essens und Trinkens Schuld ist. Wenn der Verstand der Menschen subtil ist, so können sie auch subtile Dinge begreifen; ist der Verstand aber grob, so begreifen sie auch, wozu sie geschickt sind, denn Gott verleiht einem jeden Menschen nach seiner Complexion der Natur, und gebührig (entsprechend) seines Verstandes, und nach seinem Verdienst. Denn das oberste Gestirn bewegt unsere corpora, einen jeglichen nach seiner Complexion, derselben Complexion der Natur, nach der er durch den Geist geschickt ist, denn die Influentia des Himmels arbeiten in dem spiritu des Menschen usw.

In uns Menschen sind zweierlei Krankheiten; die erste Krankheit ist in des Menschen eigenem spiritu, und sie heißen die geistlichen Krankheiten, die da vom Zorn oder von Phantasien, oder von Reue, oder vom Studieren, oder sonst von andern bösen Abenteuern und dergleichen kommen, und dies sind Krankheiten des Geistes; die andern Krankheiten sind alle zufällige Krankheiten, welche die Menschen an den Körpern überkommen, die da von viel Essen und Trinken, oder von böser Speise und Trank entspringen, oder von großem Hunger- oder Durstleiden, von großer Kälte, und anderer viel Gebrechlichkeit des Leibes und dergleichen Leiden, davon dem Menschen schwere große Krankheiten kommen. Daraus ist nun kund und offenbar, dass wir Menschen hier auf dem Erdreich zugleich gut und böse, in einem Stück, geschaffen sind, weswegen wir allzeit wandelbar und unleiblich sind; aber wenn der spiritus und die Anima in den vier Elementen des corporis des Menschen dominieren (vorherrschen), so ist der Mensch gesund, denn in der Unreinigkeit der Elemente ist der Tod. Und der spiritus ist ein heimlicher Feind der Anima, darum sehe ein jeglicher Mensch wohl zu, dass der spiritus die Anima nicht in die ewige Verdammnis verführe, denn der spiritus ist die corruptio (das Verderben) der Seele, denn er ist aus dem Element der Luft und durch ihn kommt die Sünde, denn der spiritus erweckt die Sünde in dem Körper und schmäht die Seele, darum ist der spiritus der ewige Tod, denn er spricht zu der Seele: ich will dich zu dem ewigen Tod in das dunkle Haus führen. Darum folge der Mensch nicht so sehr dem Geist, dem fleischlichen auswändigem Willen, er führt sich anders als mit der Seele in die Hölle.

Durch den Tod des Menschen geschehen drei separationes (Trennungen, Scheidungen). Die erste ist die separatio der animae von dem corpus, die andere ist separatio des spiritus von dem corpore, die dritte separatio die des spiritus von der anima. Allhie ist nun eine Frage, ob der spiritus mit der anima in den Himmel gehen soll oder ob sie alle beide unter dem Himmel bleiben werden, - der spiritus und die anima tun da beide poenitentiam in der großen Gewalt Gottes, und die anima wird durch den spiritum gereinigt, und wenn dann die anima gereinigt ist, so steigt sie in den Himmel und der spiritus bleibt in medio, in der Luft, und das corpus unten in der Erden, - und so kommt jegliches wieder dahin, daher es hergekommen ist, denn der spiritus kann mit der anima nicht in den Himmel kommen, denn er ist ein Element der Luft, und darum kommt die Sünde durch ihn, und kein Element noch Sünde kann in den Himmel kommen, denn der Himmel ist eine Quinta Essentia oder das fünfte Wesen der Elemente. Darum muss der spiritus unter dem Himmel bleiben. Und zum jüngsten Tag so wird die anima und das corpus wieder ein Ding. Und zum jüngsten Tag wird das Feuer in den Himmel steigen, und die Natur generativa (Fortpflanzungskraft) wird von der Erde genommen und das materialische Feuer kommt in die Hölle. Darum wird zum jüngsten Tage in keinem corpus (Körper) ein sperma (Keim, Samen) sein, und darum werden wir Men­schen nach dem jüngsten Tag auch nicht mehr Frucht zeu­gen, denn die Elementa sind nicht mehr in ihrem Wesen, sondern allein in einem clarificierten (geklärten, geläuterten, gereinigten) coagulierten (erstarrten) corpus (hier: Träger, Behältnis) wie ein Kristall kommen (sie), und die Erde, die wir Menschen tragen, die muss in den Himmel kommen, welche eine andere Form und Qualität hat denn (als) die Erde der vier Elemente. Und darnach soll die Seele zu dem corpore kommen; sie erfreuen sich mit einander, sie bleiben bei einander. Denn darum, dass der spiritus weg ist, wird das corpus clarificiert (verklärt). Und nach dem jüngsten Tag wird ein anderes Wesen, ein ewig Leben, und es wird ewig Tag, und in der Höllen die ewige Nacht sein, und mit den Verdammten ist dann der Tag, der ewiglich war, Nacht worden.
Nach: Theophrastus Paracelsus Werke; Band V, Pansophische, magische und gabalische Schriften, Pansophie: De secretis creatonis, besorgt von Will-Erich Peuckert, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1991