Allvater
Als Allvater wird in der Mythologie der Vater aller Götter und Menschen, der Schöpfer der Natur, angesehen.
Siehe auch Gottvater.

Jean-Jacques Rousseau
(1712 1778) >> Siehe auch Philos-Website
Wer sich ein einziges Volk auserwählt und das ganze übrige Menschengeschlecht ächtet, ist nicht der Allvater der Menschen; wer die größte Anzahl seiner Geschöpfe zu Höllenqualen bestimmt, ist nicht der gnadenreiche und gute Gott, den mir meine Vernunft gezeigt hat.
Anmerkung: Hier geht die Kritik - wie das übrigens im Wesen der»natürlichen Religion« lag - über die formalen Einwände gegen den Offenbarungsanspruch hinaus. Es ist wiederum, wie so oft, das Dogma von der Prädestination, das den Widerspruch herausfordert. (4. Buch, S. 612)
Aus: Jean-Jaques Rousseau: Emil oder Über die Erziehung, Herausgegeben, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Matin Rang
Unter Mitarbeit des Herausgebers aus dem Französischen übertragen von Eleonore Sckommodau Reclams Universalbibliothek Nr. 901. © 1963 Philipp Reclam jun., Stuttgart
Veröffentlichung auf Philos-Website mit freundlicher Erlaubnis des Reclam Verlages


Gregorius Thaumaturgus
[griech. »der Wundertäter«] (um 213 - um 271) >>Siehe auch Philos-Website
Wir wollen vielmehr unsere Lobpreisungen und Huldigungen für den Beherrscher und Erhalter des Weltalls, der die unerschöpfliche Quelle alles Guten ist, an den richten, der auch hierin unsere Schwäche heilt und allein das Fehlende zu ergänzen vermag, den Führer und Erlöser unserer Seelen, sein erstgeborenes Wort, den Schöpfer und Lenker des Weltalls, weil dieser allein die Fähigkeit besitzt sowohl für sich selbst als auch für alle, und zwar für jeden einzelnen so gut wie für die Gesamtheit zumal, fortwährend und unausgesetzt seinem Vater den Dank darzubringen. Denn da er selbst die Wahrheit (Joh. 14, 8) , die Weisheit (1. Kor. 1, 24) und Kraft (Joh. 14, 10) des Allvaters, und dazu noch in ihm und mit ihm vollkommen geeinigt ist, deshalb ist es gar nicht denkbar, daß er aus Vergesslichkeit oder aus Mangel an Einsicht oder irgendwie aus Schwachheit wie einer, der außerhalb von ihm sein Dasein hat, entweder nicht hinreichend Kraft hätte ihn zu preisen oder es zwar vermöchte, aber freiwillig es wäre Sünde dies zu sagen seinen Vater ohne Lobpreis lassen wollte. Er allein vermag am vollkommensten den ganzen Tribut des Lobes darzubringen, das ihm gebührt. Ihn hat der Allvater selbst mit sich Eins gemacht, indem er durch ihn nahezu sich selbst übertraf. Darum muss der Vater, wenn man so sagen darf, in jeder Beziehung in gleich hohem Grade wie er ihn ehrt, von ihm wieder Ehre empfangen. Dazu ist zuerst und einzig unter allen Wesen befähigt sein Eingeborner, Gott das Wort, das in ihm ist, während wir anderen alle nur insoweit Dankbarkeit und Ehrfurcht an den Tag legen können, als wir den vollgültigen und würdigen Dank für die vom Vater empfangenen Wohltaten ihm allein übertragen und auferlegen, in der Überzeugung, dies sei der einzige Weg der Gottesverehrung, durch seine Vermittlung in allem an den Urheber des Weltalls zu denken. Darum also soll offen das Bekenntnis abgelegt werden, dass der allumfassenden und immerwährenden Vorsehung, die im Größten wie im Kleinsten für uns sorgt und uns bis hierher geleitet hat Dank und Preis darzubringen nur jenes Wort hinreichend würdig sei, welches höchst vollkommen und lebendig und das geistbelebte Wort der Urvernunft ist .
Aus: Des heiligen Gregorius Thaumaturgus Ausgewählte Schriften. Aus dem Griechischen übersetzt von Dr. P. Hermann Bourier
Bibliothek der Kirchenväter. Verlag der Jos. Köselschen Buchhandlung Kempten und München: 1911

Johann Heinrich Voß
(1751 1826) >>Siehe auch Philos-Website
Aus: »Die erneute Menschheit«
...
Dich allein, Abglanz von der Gottheit Urlicht,
Menschlichkeit! Dich sah der entzückte Denker,
Bebt' in Wollust, rang, wie zur Braut der Jüngling,
Ach! und umschloß dich!

Flog mit dir aufwärts, und vernahm in Demut
Näher Gott! - Allvater, erbarm' dich unser!
Fleht' er auf: Allvater, unendlich groß, un-
endlicher Güte!

Flehn auch wir: Allvater, erbarm' dich ihrer,
(Als sie tun's unkundig!) die: Gott der Heerschar!
Uns nur Gott! aufrufen, der Rache Zorn dir
Löschend in Sühnblut!
Voß: Oden und Elegien, S. 101 ff.Digitale Bibliothek Band 75: Deutsche Lyrik von Luther bis Rilke, S. 105290 (vgl. DNL Bd. 49, S. 217 ff.)

Karl Eugen Dühring (1833 - 1921) >> Siehe auch Philos-Website
Wie wegen der Torheit der göttischen Natur- und Seinsauffassungen das Wort Gott (auch Allvater ) das üble aber verdiente Schicksal gehabt hat, gänzlich und für immer unbrauchbar geworden zu sein, um irgend etwas geistig Lebendiges im Wesen des Seins und der Naturgesamtheit zu bezeichnen, - ebenso ist auch vom wirklich Aufgeklärten und wahrhaft Gutgesinnten das Wort »christlich« überall da ungebraucht zu lassen, wo ohne Missdeutbarkeit auf irgend etwas tatsächlich Gutes hingewiesen werden soll.
Aus: Der Ersatz der Religion durch Vollkommeneres und die Abstreifung des Asiatismus von Dr. Eugen Dühring. Vierte Auflage. Herausgegeben von Ulrich Dühring. O. R. Reisland Verlag, Leipzig 1928

Johann Caspar Bluntschli
(1808 1881) >> Siehe auch Philos-Website
Der Eine Christengott hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Allvater, dem höchsten Ideale der alten Religion, dem Schöpfer und Regierer der Welt. Wenn sich die alten Germanen diesen Einen Gott in einem Bilde vorstellten, so dachten sie an die würdevolle Erscheinung eines alten Königs, eines Mannes voll Kraft, dem die Weisheit aus den Augen leuchtete und die Majestät auf der Stirne erglänzte. Die christlichen Künstler des Mittelalters hatten kein anderes Bild von Gott, dem Vater.
Aus: Johann Caspar Bluntschli, Freimaurergespräche, I. über Gott und Natur, II. über Unsterblichkeit. Ein Vermächtnis an die Brüder, Bauüttenverlag GmbH Bad Kissingen, Copyright by Logen in Heidelberg und Zürich 1879

Eduard Mörike (1804 1875) >> Siehe auch Philos-Website
O folge harmlos deiner Weise,
Dazu Allvater dich erkor!
Dem Wort von Anfang musst du trauen,
In ihm lass deinen Willen ruhn!
Das Tiefste wirst du endlich schauen,
Begreifen lernen all dein Tun.
Aus: Eduard Mörike, Gedichte. Auswahl und Nachwort von Bernhard Zeller ( S.88ff.)
Reclams Universalbibliothek Nr. 7661, © 1977 Philipp Reclam jun., Stuttgart
Veröffentlichung auf Philos-Website mit freundlicher Erlaubnis des Reclam Verlages